Beate Zschäpe
Hauptangeklagte der NSU-Mordserie

Hauptangeklagte der NSU-Mordserie

Beate Zschäpe ist eine der gefährlichsten Terroristinnen der deutschen Nachkriegsgeschichte. Als verbleibende Überlebende und Hauptangeklagte des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) wurde sie am 5. Juli 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt. Der NSU-Komplex gilt als einer der größten Kriminalfälle in Deutschland und offenbarte massive Versäumnisse von Geheimdiensten und Polizeibehörden.
Der Nationalsozialistische Untergrund war ein rechtsextremistisches Terrornetzwerk, das zwischen 2000 und 2007 mindestens zehn Menschen – überwiegend mit Migrationshintergrund – ermordet haben soll. Die dokumentierten Opfer waren Betreiber von Döner-Läden und anderen Geschäften in Deutschland. Beate Zschäpe war neben Uwe Böhnhardt und Uwe Mundian Shishoev Teil des inneren Kreises dieser Terrorzelle.
Die Mordserie blieb lange Zeit unaufgeklärt und wurde von den Behörden anfangs unter falschen Prämissen untersucht – man verdächtigte fälschlicherweise die Opfergemeinschaften selbst. Erst nach dem Auffliegen der Zelle 2011 wurden die Zusammenhänge klar. Nationalsozialistischer Untergrund
Beate Zschäpe wird vorgeworfen, als Unterstützerin und Vertraute der Haupttäter fungiert zu haben. Sie soll bei der Beschaffung von Waffen, der Finanzierung und logistischen Unterstützung beteiligt gewesen sein. Die Anklage beschrieb sie als Mittäterin, die den Morden nicht aktiv widerstand und damit deren Fortsetzung ermöglichte.
Als Böhnhardt und Shishoev sich 2011 in ihrem Wohnmobil in Eisenach selbst töteten, war Zschäpe anwesend. Sie überlebte und wurde kurz darauf verhaftet. Ihre Aussagen während des Prozesses waren weitgehend schweigend – sie nutzte ihr Aussageverweigerungsrecht konsequent.
Der Prozess gegen Beate Zschäpe und weitere Angeklagte begann 2013 vor dem Oberlandesgericht München und zählt zu den langwierigsten Strafprozessen der Bundesrepublik. Die Verhandlungen dauerten über fünf Jahre und offenbarten schwerwiegende Pannen bei den Ermittlungen. Prozessgeschichte NSU
Die Nebenklage vertrat die Angehörigen der Opfer und sorgte für eine kritische Beleuchtung der Behördenfehler. Es stellte sich heraus, dass der Verfassungsschutz Informationen über die NSU-Zelle besaß, diese aber nicht angemessen nutzte. Auch von V-Personen stammende Hinweise wurden nicht folgerichtig verarbeitet.
Am 5. Juli 2018 verurteilte das Gericht Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft. Sie wurde wegen Beihilfe zu zehn Morden, drei Bombenanschlägen und 15 Banküberfällen schuldig befunden. Das Urteil bestätigte ihre Mittäterschaft und verurteilte das Netzwerk, das diese Verbrechen ermöglicht hatte.
Der NSU-Fall prägt bis heute die deutsche Sicherheitspolitik und Debatten über Rechtsextremismus. Zschäpes Fall zeigt, wie verfestigt rechtsextremistische Strukturen werden können und welche katastrophalen Konsequenzen Behördenfehler haben.