wire fraud
US-amerikanischer Bundesstraftatbestand für Betrug unter Nutzung elektronischer Kommunikationsmittel über Staatsgrenzen hinweg

Definition
Wire fraud bezeichnet im US-Bundesstrafrecht einen Betrugsdelik, bei dem elektronische Kommunikationsmittel zur Durchführung eines betrügerischen Plans verwendet werden. Der Tatbestand ist in 18 U.S.C. § 1343 kodifiziert und erfasst die vorsätzliche Nutzung von Telefon, E-Mail, Internet oder anderen elektronischen Übertragungswegen im zwischenstaatlichen oder internationalen Verkehr zum Zweck der Vermögensverschaffung durch Täuschung.
Der Straftatbestand setzt drei wesentliche Elemente voraus: erstens das Vorliegen eines betrügerischen Plans oder Vorhabens (scheme or artifice to defraud), zweitens die vorsätzliche Beteiligung an diesem Plan mit Täuschungsabsicht, und drittens die tatsächliche Nutzung von drahtgebundener, Radio- oder Fernsehkommunikation im zwischenstaatlichen oder internationalen Verkehr. Entscheidend ist, dass die elektronische Kommunikation nicht zwingend den Kern des Betrugs bilden muss – bereits eine untergeordnete Nutzung im Rahmen des Gesamtplans kann den Tatbestand erfüllen.
Die Bundesgerichtsbarkeit ergibt sich aus dem zwischenstaatlichen oder internationalen Charakter der Kommunikation. Dies unterscheidet wire fraud von einfachem Betrug auf Ebene der Einzelstaaten und macht ihn zu einem Instrument des FBI und anderer Bundesbehörden. Die Strafandrohung beträgt bis zu 20 Jahre Haft, bei Betrug gegen Finanzinstitute oder im Zusammenhang mit Katastrophen bis zu 30 Jahre.
In der True-Crime-Berichterstattung begegnet wire fraud häufig bei Investmentbetrug, Identitätsdiebstahl, Phishing-Attacken und Online-Schwindeleien, insbesondere wenn diese über E-Mail oder Internet begangen werden. Der Tatbestand hat durch die Digitalisierung erheblich an Bedeutung gewonnen, da nahezu jede moderne Betrugshandlung elektronische Kommunikation einbezieht.