
Om episoden
Khesrau Behroz dokumentierte in der ARD-Podcast-Serie «Cui Bono» die schleichende Radikalisierung des ehemals angesehenen Radiomoderators Ken Jebsen — ein Fallbeispiel für Online-Extremismus, das die deutsche Öffentlichkeit aufschreckte und eine gesellschaftliche Debatte über Desinformation entfachte.
Wer war Ken Jebsen?
Ken Jebsen galt bis 2011 als einer der beliebtesten Moderatoren im deutschen Rundfunk. Als Gastgeber der Sendung «Radioeins der gute Morgen» beim Berliner rbb Radioeins hatte er eine loyale Hörerschaft aufgebaut. Der charismatische Moderator war für seine freche, provokative Moderationsstil bekannt und galt als Repräsentant eines modernen, progressiven Radios. Seine Karriere schien gefestigt, bis zu jenem Märztag 2011, als alles zusammenbrach.
Der Wendepunkt: Kündigung und Radikalisierung
Am 1. März 2011 wurde Jebsen vom rbb gekündigt. Der offizielle Grund: antisemitische Äußerungen in einer Sendung. Jebsen hatte Israel kritisiert und dabei Stereotype verwendet, die über legitime Kritik hinausgingen. Diese berufliche Katastrophe markierte einen Wendepunkt in Jebsens Leben. Statt Selbstreflexion folgte Widerwille gegen das System, das ihn fallen ließ.
Was folgte, war eine klassische Radikalisierungskurve: Jebsen suchte nach Erklärungen für seinen Sturz und fand sie in Verschwörungstheorien. Er begann, sich in alternative Medienkanäle zu begeben, verbreitete immer häufiger wirre Theorien über geheime Machtstrukturen und entwickelte ein Narrativ, in dem die etablierten Medien — einschließlich des rbb — Teil einer globalen Verschwörung gegen ihn und »die Wahrheit« waren. Die Kündigung wurde zum Beweis einer Zensur, die er zugleich mit dem Judentum verband.