
Brian Reed von Serial Productions begann die Arbeit an S-Town aufgrund einer Anfrage von John B. McLemore, einem Uhrmacher aus Woodstock, Alabama. McLemore wollte Hilfe bei der Aufklärung dessen, was er als Mord in seiner Gegend bezeichnete.
Doch der Podcast entwickelte sich schnell zu etwas völlig anderem als der typischen True Crime-Recherche. Je tiefer Reed gräbt, desto klarer wird: Es gab gar keinen Mord zu untersuchen. Stattdessen entfaltet sich eine komplexe und eindringliche Erzählung über John B. McLemore selbst — sein Leben, seine Depression, seinen Kampf mit der psychischen Gesundheit und schließlich seinen Suizid.
Ein Porträt jenseits des Genres
Als Produktion von Serial Productions und This American Life hat S-Town etwas Besonderes geschaffen: einen investigativen Podcast, der True-Crime-Elemente als Einstieg in wesentlich tiefere Themen nutzt. Die Serie erforscht LGBTQ+-Identität im ländlichen amerikanischen Südosten, wirtschaftliche Armut, soziale Ungleichheit und sogar die medizinischen Folgen der Arbeit des Uhrmachers mit Quecksilber aus antiken Uhren.
Der Titel selbst — S-Town — bezieht sich auf einen derben Spitznamen, den McLemore für seine eigene Stadt verwendete. Die scheinbar bedeutungslose Bezeichnung wird zum Symbol für seine tiefere Frustration und das Gefühl, gefangen zu sein.
Massiver internationaler Erfolg
Seit der Premiere 2017 hat S-Town rund 80 Millionen Downloads erreicht, was unterstreicht, wie stark das Publikum auf dieses neue Format reagierte. Der Podcast ist auf Spotify, Amazon Music und mehreren anderen Plattformen verfügbar und zeigt, wie das True-Crime-Genre erweitert werden kann, um künstlerische Dokumentation zu umfassen.
Die siebenteilige Struktur ermöglicht es Reed, sich außerhalb der klassischen Konventionen von Kriminalermittlungen zu bewegen. Anstatt sich auf Detektivarbeit und juristische Aufklärung zu konzentrieren, wird jede Episode zu einer Schicht-für-Schicht-Ausgrabung der inneren Welt eines Mannes und seiner Beziehung zur Welt um ihn herum.
Mehr als nur ein Kriminalfall
S-Town stellt grundlegende Fragen darüber, wie wir über True Crime berichten und konsumieren. Die Serie wirft ethische Fragen auf: Wie weit darf Journalismus in das Privatleben verstorbener Personen eindringen? Welche Verantwortung tragen Podcast-Produzenten gegenüber den Menschen, deren Geschichten sie erzählen?


