
Rohwedder: Netflix-Serie über Deutschlands rätselhaftesten Mord
Neue Dokumentation beleuchtet den ungeklärten Fall des Treuhand-Chefs
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Rohwedder: Netflix-Serie über Deutschlands rätselhaftesten Mord
Detlev Karsten Rohwedder, der mächtigste Wirtschaftsmanager der frühen Wendezeit, wurde am 1. April 1991 in seinem Düsseldorfer Haus erschossen — ein Mord, der die Bundesrepublik erschütterte und bis heute ungeklärt bleibt. Die neue vierteilige Netflix-Dokumentarserie „Rohwedder — Einigkeit und Mord und Freiheit" der Beetz Brothers beleuchtet nun diesen rätselhaften Fall neu und wirft Fragen auf, die deutsche Ermittler seit über drei Jahrzehnten nicht befriedigend beantworten konnten.
Der 51-jährige Rohwedder war als Präsident der Treuhandanstalt die zentrale Figur beim wirtschaftlichen Umbau der DDR nach dem Fall der Berliner Mauer. In dieser Position hatte er über eines der größten Vermögen Europas zu entscheiden: Tausende volkseigene Betriebe sollten privatisiert, saniert oder abgewickelt werden. Seine Entscheidungen bestimmten, welche Unternehmen überleben würden und welche Tausende von Arbeitern in die Arbeitslosigkeit treiben würden. Das machte ihn zur umstrittensten Figur der deutschen Wiedervereinigung — und möglicherweise zum Ziel von Mördern.
Der Aufstieg eines Managers zwischen den Welten
Rohwedder war kein Politprofi, sondern ein erfahrener Industriemanager, der in Westdeutschland Karriere gemacht hatte. Seine Ernennung zur Leitung der Treuhandanstalt im September 1990 war politisch berechnet: Man vertraute auf seine wirtschaftliche Expertise und erhoffte sich von ihm die schnelle Integration der DDR-Wirtschaft in die Marktwirtschaft. Doch sein Ansatz war umstritten. Während Politiker die „schnelle Lösung" forderten, warnte Rohwedder vor den sozialen Folgen. Er plädierte für eine gemäßigtere Privatisierungspolitik, die soziale Auswirkungen berücksichtigte — ein Standpunkt, der ihn sowohl bei Gewerkschaften als auch bei neoliberalen Kräften unbeliebt machte.


