Nach stundenlangen Verhören ohne elterlichen oder anwaltlichen Beistand legten alle fünf Teenager Geständnis ab – teils schriftlich, teils auf Video aufgezeichnet. Diese Geständnisse bildeten später die Hauptgrundlage für ihre Verurteilung.
Die Verurteilung trotz fehlender DNA-Beweise
Am 18. August 1989 wurden alle fünf Jugendlichen wegen des Überfalls und der Vergewaltigung schuldig gesprochen. Die Strafen reichten von 6 bis 13 Jahren Haft.
Dabei gab es ein gravierendes Problem: Die DNA-Spuren vom Tatort stimmten mit keinem der fünf Angeklagten überein. Dieser Umstand wurde während der Prozesse jedoch nicht ausreichend berücksichtigt. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, die DNA könne von einem weiteren, unbekannten Täter stammen.
Die fünf Teenager widerriefen ihre Geständnisse bereits kurz nach den Verhören und behaupteten, die Polizei habe sie unter Druck gesetzt, eingeschüchtert und zu den Falschaussage gezwungen. Doch ihre Aussagen fanden vor Gericht kein Gehör.
Der wahre Täter gesteht
Im Jahr 2002 – nachdem alle fünf Männer ihre Strafen bereits verbüßt hatten – nahm der Fall eine dramatische Wendung. Der verurteilte Vergewaltiger und Mörder Matias Reyes, der bereits wegen anderer Verbrechen lebenslänglich im Gefängnis saß, gestand, dass er allein für den Überfall auf Trisha Meili verantwortlich war.
Reyes' DNA stimmte eindeutig mit den Spuren vom Tatort überein. Seine detaillierten Aussagen über die Tat enthielten Informationen, die nur der wahre Täter wissen konnte. Damit war zweifelsfrei bewiesen, dass die fünf Männer unschuldig waren.
Aufhebung der Urteile und Rehabilitation
Noch im Jahr 2002 hob ein Richter alle fünf Urteile auf. Die Männer wurden für unschuldig erklärt und vollständig rehabilitiert. Gegen Matias Reyes konnte zu diesem Zeitpunkt keine Anklage mehr erhoben werden, da die Verjährungsfrist bereits abgelaufen war.
Die fünf Männer verklagten später die Stadt New York auf Schadensersatz. 2014 einigte sich die Stadt auf eine Zahlung von 41 Millionen US-Dollar – ein Eingeständnis des massiven Justizirrtums.
Ein Symbol für systemisches Versagen
Der Fall der Central Park Five gilt heute als eines der bekanntesten Beispiele für Fehlurteile im amerikanischen Justizsystem. Er zeigt exemplarisch, wie erzwungene Geständnisse, Vorurteile und der Druck der Öffentlichkeit zu gravierenden Fehlentscheidungen führen können.
Die Geschichte wurde 2019 in der Netflix-Serie "When They See Us" von Regisseurin Ava DuVernay aufgearbeitet und erreichte dadurch ein weltweites Publikum. Die Serie trug maßgeblich dazu bei, das Bewusstsein für Justizirrtümer und die Problematik falscher Geständnisse zu schärfen.
Die fünf Männer – heute bekannt als "The Exonerated Five" – engagieren sich seither für Justizreformen und die Rechte zu Unrecht Verurteilter.