Danske Bank: 200 Milliarden Euro Geldwäsche über Estland
Wie Europas größter Finanzskandal jahrelang unentdeckt blieb

Wie Europas größter Finanzskandal jahrelang unentdeckt blieb

Die Danske Bank stand 2017 im Zentrum eines der größten Finanzskandale Europas. Über acht Jahre hinweg wurden durch die estnische Filiale der dänischen Großbank mindestens 200 Milliarden Euro in verdächtigen Transaktionen geschleust – Geld, das größtenteils aus Russland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken stammte. Die Enthüllungen erschütterten nicht nur das Vertrauen in die Danske Bank, sondern legten gravierende Versäumnisse in der Aufsicht und den Kontrollmechanismen der europäischen Finanzbranche offen.
Die Wurzeln des Skandals reichen zurück ins Jahr 2007. Damals übernahm die Danske Bank die finnische Sampo Bank – und damit auch deren Filiale in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Mit dem Kauf erbte die dänische Bank ein hochproblematisches Kundenportfolio: Etwa 15.000 sogenannte Non-Resident-Kunden, also Personen und Firmen ohne echte Verbindung zu Estland. Der überwiegende Teil dieser Klienten waren russische Unternehmen und Privatpersonen.
Wie sich später herausstellte, reichte das Spektrum dieser Kundschaft von Personen mit Verbindungen zu russischen Geheimdiensten und der politischen Elite bis hin zu organisierten kriminellen Netzwerken. Dieses Non-Resident-Portfolio entwickelte sich zur offenen Schleuse für gigantische Geldströme zweifelhafter Herkunft.
Übernahme der Sampo Bank
Danske Bank kauft die finnische Sampo Bank und übernimmt damit die problematische estnische Filiale mit etwa 15.000 Non-Resident-Kunden aus Russland und Ex-Sowjetstaaten.
Beginn der Geldwäscheperiode
Start des achljährigen Zeitraums, in dem über 200 Milliarden Euro verdächtiger Transaktionen durch die estnische Filiale fließen.
Whistleblower schlägt Alarm
Howard Wilkinson, britischer Mitarbeiter in Estland, warnt die Kopenhagener Zentrale vor Kunden mit Verbindungen zum FSB und zu Putin-nahen Kreisen. Seine Meldungen werden ignoriert.
Ende der Hauptgeldwäscheperiode
Nach acht Jahren enden die massiven verdächtigen Geldströme durch die estnische Filiale – insgesamt über 200 Milliarden Euro.
Öffentliche Enthüllung
Der Danske Bank-Skandal wird öffentlich bekannt und entwickelt sich zu einem der größten Finanzskandale in der europäischen Geschichte.
Bereits 2013 schlug Howard Wilkinson Alarm. Der britische Mitarbeiter in der estnischen Filiale der Danske Bank erkannte die Brisanz der Situation und handelte als Whistleblower. In internen Berichten an die Konzernzentrale in Kopenhagen machte Wilkinson auf höchst verdächtige Vorgänge aufmerksam. Seine Warnungen waren konkret: Er nannte Kunden mit mutmaßlichen Verbindungen zum russischen Inlandsgeheimdienst FSB und zu Personen aus dem engsten Umfeld von Präsident Wladimir Putin.
Doch wie spätere Untersuchungen zeigten, wurden Wilkinsons Meldungen von der Bankleitung in Kopenhagen nicht ernst genommen. Diese fatale Untätigkeit ermöglichte es, dass die verdächtigen Transaktionen und illegalen Aktivitäten über Jahre hinweg ungehindert weiterlaufen konnten. Der Whistleblower wurde ignoriert – mit verheerenden Folgen.
Zwischen 2007 und 2015 flossen mehr als 200 Milliarden Euro durch die kleine estnische Filiale – eine schwindelerregende Summe, die damals das gesamte Bruttoinlandsprodukt Estlands überstieg. Diese enormen Beträge wurden durch ein komplexes Geflecht von Briefkastenfirmen geleitet, die oft in bekannten Steueroasen wie Zypern, den Seychellen oder den Britischen Jungferninseln registriert waren. Ziel war es, die wahre Herkunft des Geldes zu verschleiern.
Interne Untersuchungen brachten später ans Licht, dass ein Großteil – möglicherweise sogar das gesamte Non-Resident-Portfolio – als verdächtig hätte eingestuft werden müssen. Trotzdem bediente die Bank diese Kunden weiter und verdiente Millionen an den Transaktionen. US-Ermittler, darunter auch das FBI, stellten fest, dass bis zu 99 Prozent des Gewinns der estnischen Filiale aus Geschäften mit genau diesen Hochrisiko-Kunden stammten. Berichte deuteten zudem darauf hin, dass Bankangestellte in Estland aktiv dabei geholfen haben könnten, interne Kontrollsysteme zu umgehen.