Der Serienmörder aus der Kieler Straße
Fritz Heinrich Honka ermordete zwischen dem 11. Januar 1971 und dem 10. Januar 1975 vier Frauen in seiner 14 Quadratmeter großen Dachgeschosswohnung in der Kieler Straße 9 im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Der alkoholkranke Werftarbeiter erwürgte seine Opfer nach gemeinsamen Alkoholexzessen, zerstückelte die Leichen und versteckte die Körperteile in Schrankwänden, unter dem Dach und hinter Wandverkleidungen. Erst als am 9. Juli 1975 ein Brand in seiner Wohnung ausbrach, entdeckten Feuerwehrleute die mumifizierten Leichenteile.
Die vier Opfer waren Prostitution ausübende Frauen aus dem Rotlichtmilieu: Anna Struwe (58 Jahre), ermordet am 11. Januar 1971, Frieda Ebeling (ermordet 1972), Wilma Katschinski (ermordet 1974) und Heidi Fiedler (circa 42 Jahre), die als jüngste am 9. oder 10. Januar 1975 starb. Honka hatte alle Frauen in Kneipen wie "Zum Paddel" oder "Zur Katze" kennengelernt, die er als Stammgast frequentierte.
Das Milieu von St. Pauli in den 1970er Jahren
Das St. Pauli der frühen 1970er Jahre war ein Stadtteil gezeichnet von Armut, Alkoholismus und Kriminalität. Die Reeperbahn bildete das Zentrum des Rotlichtviertels mit seinen zahllosen Bars, Bordellen und Herbergen für Obdachlose. In diesem Milieu bewegte sich Fritz Honka, der als Arbeiter bei der Norddeutschen Lloyd-Werft sein Geld verdiente und seine Abende in den Kaschemmen der Davidstraße und Umgebung verbrachte.
Die Frauen, die Honka zu seinen Opfern machte, waren alkoholkranke Straßenprostituierte, die in diesem harten Milieu ums Überleben kämpften. Das soziale Gefüge des Viertels ermöglichte es Honka jahrelang, unentdeckt zu bleiben – die Frauen wurden nicht vermisst, ihre Abwesenheit fiel niemandem auf. Der "Spiegel" bezeichnete ihn später als den "Kannibalen von St. Pauli", obwohl keine Beweise für Kannibalismus vorlagen.
Die Morde und die Tatvertuschung
Honkas erste dokumentierte Tat ereignete sich am 11. Januar 1971. Er erwürgte Anna Struwe mit einer Wäscheleine nach einem Streit um Geld. Mit einem Beil und einer Säge zerstückelte er die Leiche in seiner engen, unbeleuchteten Wohnung. Um den Verwesungsgeruch zu überdecken, goss er Parfüm und Desinfektionsmittel über die Leichenteile, die er in einer Schrankwand versteckte.
Dieses Muster wiederholte sich in den folgenden Jahren. Frieda Ebelings Leichenteile fanden sich 1975 ebenfalls in einem Schrank, Wilma Katschinski hatte er 1974 getötet und Teile der Leiche eingemauert. Heidi Fiedler, die kleinste und jüngste seiner Opfer, ermordete er im Januar 1975. Die Leichenteile lagerten teilweise jahrelang in der Wohnung, mumifizierten durch die Trockenheit im Dachgeschoss.
Die Entdeckung und der Prozess
Am 9. Juli 1975 setzte eine brennende Zigarette Honkas Wohnung in Brand. Die alarmierte Feuerwehr entdeckte beim Löschen mumifizierte Leichenteile in den Wänden und unter dem Dach. Polizeipräsident Hans-Wilhelm Dau erklärte am 10. Juli 1975: "Wir haben in der Wohnung Teile von mindestens drei menschlichen Leichen gefunden." Später korrigierte die Polizei die Zahl auf vier Opfer.
Fritz Honka wurde noch am selben Tag festgenommen und gestand alle vier Serienmord Taten. Die Identifikation der Opfer erfolgte ohne DNA-Tests über Kleidung und Zahnstatus. Vom 3. bis 21. November 1975 stand Honka vor dem Landgericht Hamburg. Das Gericht verurteilte ihn wegen Mordes in vier Fällen zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Seine Alkoholabhängigkeit wurde nicht als Entschuldigungsgrund anerkannt.
Der Film "Der goldene Handschuh"
Der Regisseur Fatih Akin brachte den Fall 2019 mit seinem Film "Der goldene Handschuh" einem internationalen Publikum nahe. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Heinz Strunk aus dem Jahr 2016 porträtiert der Film Honkas Leben im Milieu von St. Pauli. Jonas Dassler spielt den Serienmörder in einer verstörenden Darstellung, die bei der Uraufführung am 7. Februar 2019 in Berlin für Kontroversen sorgte.
Der Film dramatisiert teilweise die wahren Ereignisse und fügt fiktive Szenen hinzu. Wegen seiner expliziten Gewaltdarstellung erhielt er eine FSK-18-Freigabe. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" diskutierte nach der Premiere die biografische Genauigkeit und die ethischen Fragen bei der filmischen Aufarbeitung solcher Verbrechen.
Das Ende von Fritz Honka
Fritz Honka verbüßte seine lebenslange Strafe zunächst in Hamburg, später im Gefängnis Lützerath bei Hannover. Seine jahrzehntelange Alkoholsucht hinterließ irreversible Schäden. Am 2. März 1998 starb er im Alter von 62 Jahren an Leberzirrhose. Die Wohnung in der Kieler Straße 9 existiert heute nicht mehr – das Gebäude wurde abgerissen.
Der Fall Fritz Honka gilt als einer der bekanntesten Serienmorde in der deutschen Kriminalgeschichte und steht exemplarisch für die dunkle Seite des Rotlichtmilieus der 1970er Jahre. Die Tatsache, dass vier Frauen über Jahre hinweg verschwinden konnten, ohne dass Ermittlungen eingeleitet wurden, wirft bis heute Fragen nach gesellschaftlicher Marginalisierung und polizeilicher Aufmerksamkeit auf.