Lügde: Massenmissbrauch auf dem Campingplatz erschüttert NRW
Systematisches Versagen von Jugendamt und Polizei ermöglichte jahrelangen Missbrauch von mindestens 31 Kindern

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Quick Facts
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Zwischen 2007 und 2018 missbrauchten mehrere Männer auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde mindestens 31 Kinder und Jugendliche im Alter von vier bis siebzehn Jahren. Der Haupttäter Hans G., Betreiber eines Imbisswagens auf dem Campingplatz "Am Fürstlichen Schloss" in Lügde-Weinberg, organisierte die Taten und missbrauchte die Kinder teilweise in Gruppen. Das Erschütternde: Viele der Opfer wurden vom örtlichen Jugendamt direkt bei ihm untergebracht.
Systematisches Versagen der Behörden
Das Jugendamt Lügde platzierte über Jahre hinweg vulnerable Kinder aus instabilen Familien, Heimen und Pflegefamilien auf dem Campingplatz – trotz mehrfacher Warnungen. Bereits 2008 gingen erste Missbrauchsanzeigen gegen Hans G. ein, die jedoch nicht konsequent verfolgt wurden. Eine weitere Anzeige im Jahr 2013 wurde vom Kreis Lippe ignoriert. Die untergebrachten Kinder blieben stundenlang unbeaufsichtigt und waren so den Tätern schutzlos ausgeliefert.
Der Kreis Lippe räumte später "systematische Versäumnisse im Jugendschutz" ein. NRW-Justizminister Peter Biesenbach bezeichnete die Vorgänge als "eklatantes Versagen von Behörden". Die mangelhafte Aufsicht und das Ignorieren von Warnsignalen ermöglichten es Hans G. und seinen Mittätern, über ein Jahrzehnt ungestört zu agieren.
Verschwundene Beweise aus der Polizeiasservatenkammer
Der Skandal weitete sich aus, als im Dezember 2018 bekannt wurde, dass wichtige Asservate aus der Polizeiinspektion Lügde verschwunden waren. Festplatten mit rund 1.400 kinderpornografischen Dateien waren aus der Asservatenkammer spurlos verschwunden. Eine interne Untersuchung ergab Fahrlässigkeit, konnte jedoch keine vorsätzliche Straftat nachweisen. Der Vorfall offenbarte gravierende Mängel im Asservatenmanagementsystem der Polizei und erschwerte die Ermittlungen erheblich.


