Lennon wurde umgehend ins Roosevelt Hospital gebracht, wo Ärzte jedoch nur noch seinen Tod feststellen konnten. Die Welt verlor in dieser Nacht eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte.
Der Fan mit "Der Fänger im Roggen"
Nach den Schüssen floh Chapman nicht. Als die Polizei wenige Minuten später eintraf, fanden die Beamten den Täter ruhig auf dem Gehsteig sitzend vor – in der Hand ein Exemplar von J.D. Salingers Roman "Der Fänger im Roggen" ("The Catcher in the Rye").
Das Buch sollte später eine zentrale Rolle in den Ermittlungen spielen. Chapman identifizierte sich stark mit der Hauptfigur Holden Caulfield und deren Ablehnung von "Heuchelei" und "Falschheit".
Obsessive Fans
Die Ironie der Tat: Nur wenige Stunden zuvor, am selben Abend, hatte Chapman sein Idol vor demselben Gebäude getroffen. Lennon hatte dem vermeintlichen Fan bereitwillig ein Autogramm auf dessen Album "Double Fantasy" gegeben – nichtsahnend, dass dieser Mann ihn nur Stunden später töten würde.
Gerichtsprozess und Verurteilung
Am 22. Juni 1981 bekannte sich Mark David Chapman in einem nicht öffentlichen Verfahren schuldig. Seine Anwälte hatten ursprünglich auf Unzurechnungsfähigkeit plädiert, doch Chapman bestand darauf, seine Schuld einzugestehen.
Berühmte Kriminalfälle
Bei der Strafzumessung am 24. August 1981 zitierte Chapman erneut aus seinem Lieblingsbuch. Vor Gericht las er eine Passage aus "Der Fänger im Roggen" vor. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren bis lebenslänglich.
Haft und verweigerte Freilassung
Chapman verbüßt seine Strafe in der Wende Correctional Facility im Bundesstaat New York. Seit dem Jahr 2000 hat er Anspruch auf Anhörungen zur Bewährungsprüfung.
Bislang wurden mindestens sieben Anträge auf vorzeitige Entlassung abgelehnt. Bei den Anhörungen wurde wiederholt argumentiert, dass Chapmans Freilassung ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen würde – sowohl für ihn selbst als auch für die öffentliche Ordnung.
Motivation und Beweggründe
Die genauen Motive für den Mord blieben lange unklar und wurden von Chapman selbst widersprüchlich dargestellt. In späteren Interviews nannte er verschiedene Gründe: den Wunsch nach Berühmtheit, Frustration über Lennons "Heuchelei" und dessen Aussage, die Beatles seien "populärer als Jesus".
Psychiatrische Gutachten diagnostizierten bei Chapman narzisstische und paranoide Persönlichkeitszüge. Seine Tat wird heute als Beispiel für die gefährliche Dynamik zwischen obsessiver Fanverehrung und plötzlichem, gewalttätigem Umschlag in Hass verstanden.
Ein Verlust für die Welt
Der Tod John Lennons erschütterte Menschen weltweit. Die Musikwelt verlor einen ihrer größten Innovatoren, einen Künstler, der mit den Beatles die Popmusik revolutioniert hatte und als Solokünstler und Friedensaktivist weiterhin kulturelle Akzente setzte.
Mark David Chapmans Name wurde zum Synonym für blinden Fanatismus mit tödlichem Ausgang. Sein Verbrechen steht beispielhaft für die dunkle Seite der Berühmtheit und die potenzielle Gefahr, die von obsessiven Verehrern ausgehen kann.
Bis heute pilgern Fans aus aller Welt zum Dakota Building und zum nahegelegenen Strawberry Fields Memorial im Central Park, um John Lennons zu gedenken.