Was noch niemand wusste: Die beiden Mädchen hatten Skylar in den Wald im Gebiet des Monongalia County gefahren, sie mit Messern erstochen und die Leiche zurückgelassen.
Soziale Medien als doppeltes Spiel
In den Monaten nach Skylars Verschwinden verhielten sich Shelia Eddy und Rachel Shoaf weiterhin wie besorgte Freundinnen. Shelia postete rührende Nachrichten auf Twitter, in denen sie Skylar vermisste, und verwendete den Hashtag #FindSkylar. Gleichzeitig teilten die beiden Mädchen Selfies und wirkten im Alltag scheinbar unberührt.
Doch unter der Oberfläche brach Rachel Shoaf innerlich zusammen. Sie schlief schlecht, litt unter Angstzuständen und begann, psychologische Hilfe zu suchen. Im Januar 2013 gestand sie gegenüber ihrer Therapeutin, dass sie und Shelia Skylar getötet hatten. Die Therapeutin war verpflichtet, die Behörden zu benachrichtigen.
Am 16. Januar 2013 — genau sechs Monate und zehn Tage nach Skylars Verschwinden — führte Rachel die Polizei zu einem Waldstück in der Nähe von Brave in Pennsylvania, nahe der Grenze zu West Virginia. Dort fanden die Ermittler Skylars teilweise vergrabene Überreste in einem schneebedeckten Waldboden.
Festnahmen und Geständnisse
Rachel Shoaf schloss eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft und bekannte sich des Mordes zweiten Grades schuldig. Sie sagte gegen Shelia Eddy aus und wurde 2013 zu 30 Jahren Haft verurteilt. Bei guter Führung könnte sie 2034 entlassen werden.
Shelia Eddy bestritt zunächst jede Schuld, änderte jedoch 2014 ihre Strategie und bekannte sich des Mordes ersten Grades schuldig. Sie entging damit einer möglichen Todesstrafe und wurde zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung verurteilt. Als der Richter sie nach dem Motiv fragte, kam die Antwort, die seitdem in True-Crime-Kreisen weltweit bekannt ist:
„Wir wollten sie einfach nicht mehr dabei haben."
Ein klareres Motiv ist offiziell nie ans Licht gekommen. Spekulationen haben auf einen Streit innerhalb der Freundesgruppe, Eifersuchtskonflikte und den Wunsch hingewiesen, Skylar aus ihrem sozialen Umfeld zu entfernen — doch nichts davon wurde juristisch bestätigt.
Die Ermittlungen und ihre Schwierigkeiten
Der Fall ist ein Musterbeispiel dafür, wie Vermisstenfälle durch die Beteiligung engster Vertrauter erschwert werden können. Die Polizei von Star City verfügte über begrenzte Erfahrung mit Mordermittlungen, und die anfänglichen Bemühungen konzentrierten sich breit gefächert, ohne die beiden Freundinnen als Hauptverdächtige ins Visier zu nehmen. Es war Rachels psychischer Zusammenbruch und die Meldung der Therapeutin — nicht klassische Polizeiarbeit — die den Fall löste.
Die Eltern Dave und Mary Neese, die sich selbst aktiv an den Ermittlungen beteiligten und die öffentliche Aufmerksamkeit über soziale Medien aufrechterhalten hatten, äußerten im Nachhinein, dass sie das Gefühl gehabt hätten, die polizeilichen Ermittlungen bewegten sich zu langsam und ohne ausreichenden Fokus auf die beiden Freundinnen, mit denen Skylar zuletzt gesehen worden war.
True-Crime-Phänomen und Medienberichterstattung
Der Fall Skylar Neese erfuhr in den USA eine massive Medienberichterstattung und gilt seither als ein frühes Beispiel, das die doppelte Rolle sozialer Medien bei Mordermittlungen verdeutlichte: als Werkzeug für Angehörige, um öffentliche Aufmerksamkeit zu mobilisieren, UND als Plattform, auf der Täter eine Fassade aufrechterhalten können.
Das Buch Pretty Little Killers aus dem Jahr 2014, verfasst von den Journalisten Daleen Berry und Geoffrey Fuller, dokumentierte den Fall eingehend. Der Fall inspirierte darüber hinaus TV-Dokumentationen und Episoden in True-Crime-Serien wie Dateline NBC und 48 Hours.
In den westvirginischen Medien und im lokalen Umfeld hinterließ der Fall tiefe Wunden. Star City ist eine kleine Stadt, und der Schock darüber, dass zwei scheinbar gut funktionierende Teenager-Mädchen aus der Gemeinde ihre beste Freundin auf so brutale Weise ermordet hatten, war nur schwer zu verarbeiten.
Skylars Vermächtnis
Skylar Neese wird von Familie und Lehrern als intelligentes, humorvolles und geselliges Mädchen beschrieben, das Träume von einer Zukunft in der Comedywelt hegte. Sie wollte in der TV-Produktion arbeiten und war ein großer Fan von Saturday Night Live.
Ihre Eltern haben ihr Andenken lebendig gehalten und offen über den Fall gesprochen, um auf Jugendkriminalität und die Gefahren aufmerksam zu machen, die entstehen, wenn Warnsignale in jugendlichen Freundschaften ignoriert werden. Zudem haben sie einen Fonds in Skylars Namen gegründet.
Der Fall wirft unbequeme Fragen über Jugendpsychologie, Freundschaftsdynamiken und die scheinbar vollständig fehlende Empathie zweier Mädchen auf, die einen Mord planten und ausführten — um sich anschließend bei Twitter einzuloggen und öffentlich zu trauern.