Amanda Knox nach Jahren in italienischem Justiz-Drama freigesprochen
Die US-Studentin wurde 2007 wegen Mordes an ihrer Mitbewohnerin festgenommen – nach jahrelangen Wendungen sprach sie Italiens höchstes Gericht 2015 endgültig frei

Die US-Studentin wurde 2007 wegen Mordes an ihrer Mitbewohnerin festgenommen – nach jahrelangen Wendungen sprach sie Italiens höchstes Gericht 2015 endgültig frei

Am 2. November 2007 wurde die 21-jährige britische Studentin Meredith Kercher tot in ihrer Wohnung in Perugia, Italien, aufgefunden. Die junge Frau war erstochen worden – sie hatte 47 Messerstiche erlitten und ihre Kehle war durchgeschnitten worden. Nur vier Tage später verhaftete die italienische Polizei ihre Mitbewohnerin, die damals 20-jährige US-Amerikanerin Amanda Knox, und erhob Mordanklage gegen sie.
Der Fall entwickelte sich schnell zu einem internationalen Justizskandal, der die Weltöffentlichkeit fast ein Jahrzehnt lang in Atem halten sollte.
2009 wurde Amanda Knox zusammen mit ihrem damaligen Freund Raffaele Sollecito wegen Mordes an Meredith Kercher verurteilt. Knox erhielt eine Haftstrafe von 26 Jahren. Doch die Beweislage blieb von Anfang an umstritten.
Mord an Meredith Kercher
Die 21-jährige britische Studentin wird in ihrer Wohnung in Perugia, Italien, erstochen aufgefunden.
Verhaftung von Amanda Knox
Die amerikanische Mitbewohnerin Amanda Knox wird festgenommen und des Mordes beschuldigt.
Rudy Guede verurteilt
Rudy Guede wird in einem Schnellverfahren zu 30 Jahren Haft verurteilt (später auf 16 Jahre reduziert).
Knox zu 26 Jahren verurteilt
Amanda Knox und Raffaele Sollecito werden des Mordes schuldig gesprochen. Knox erhält 26 Jahre Haft.
Erster Freispruch
Ein Berufungsgericht hebt das Urteil auf. Knox wird nach vier Jahren Haft freigelassen und kehrt in die USA zurück.
Freispruch aufgehoben
Italiens Kassationsgericht hebt den Freispruch auf und ordnet einen neuen Prozess an.
Erneute Verurteilung
Ein Appellationsgericht in Florenz verurteilt Knox erneut – diesmal zu 28 Jahren und 6 Monaten Haft.
Endgültiger Freispruch
Italiens höchstes Gericht spricht Knox und Sollecito endgültig frei und beendet damit das achtjährige Justiz-Drama.
Rudy Guede freigelassen
Der verurteilte Mörder Rudy Guede wird nach 13 Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen.
Zwei Jahre später, im Jahr 2011, wurde das Urteil aufgehoben. Nach etwa vier Jahren in italienischer Haft kam Knox frei und kehrte in die USA zurück. Für viele schien der Fall damit abgeschlossen.
Doch das italienische Rechtssystem hatte noch nicht das letzte Wort gesprochen. 2013 hob ein Berufungsgericht den Freispruch auf Antrag der Staatsanwaltschaft wieder auf – der Fall wurde neu aufgerollt. 2014 verurteilte ein Appellationsgericht in Florenz Knox erneut wegen Mordes.
Knox, die mittlerweile wieder in den USA lebte, musste aus der Ferne mitverfolgen, wie sie ein zweites Mal zur Mörderin erklärt wurde – obwohl sie bereits freigelassen worden war.
Einen entscheidenden Wendepunkt brachte eine gerichtlich angeordnete Überprüfung der DNA-Beweise. Die Untersuchung ergab, dass auf der angeblichen Tatwaffe keine DNA-Spuren von Meredith Kercher gefunden werden konnten. Auch im Zimmer, in dem der Mord stattfand, wurden keine DNA-Profile von Amanda Knox nachgewiesen.
Stattdessen wiesen alle entscheidenden forensischen Beweise auf eine andere Person hin: Rudy Guede, einen italienisch-ivorischen Mann. Seine Fingerabdrücke, Fußspuren und DNA wurden sowohl am Tatort als auch auf dem Körper des Opfers gefunden.
Am 27. März 2015 entschied Italiens höchstes Gericht, der Kassationsgerichtshof (Corte di Cassazione), den Fall endgültig. Amanda Knox und Raffaele Sollecito wurden freigesprochen.
In der Urteilsbegründung kritisierte das Gericht "offensichtliche Fehler", "Gedächtnislücken in der Ermittlung" und "schuldhafte Auslassungen" in der ursprünglichen Anklage. Das Wichtigste: Das Gericht kam zu dem Schluss, dass weder Knox noch Sollecito "materiell am Mord beteiligt gewesen sein können".
Die fast achtjährige juristische Schlacht machte Amanda Knox zu einem der bekanntesten Namen in der Geschichte internationaler True-Crime-Fälle. Selbst nach ihrer Freilassung 2011 stand sie unter intensiver Beobachtung der Medien. Der Fall wurde in zahllosen Büchern, Dokumentationen und TV-Serien verarbeitet.
Für die Familie von Meredith Kercher bedeutete das Drama zusätzliches Leid. Sie mussten mitansehen, wie ihre Tochter und Schwester zum Zentrum eines chaotischen Justizdramas wurde, in dem mögliche Täter verurteilt, freigesprochen und wieder verurteilt wurden – während die wahren Zusammenhänge lange im Dunkeln blieben.