Organisierte Umweltkriminalität beherrscht den Amazonas
Kriminelle Netzwerke aus Brasilien, Peru und Kolumbien betreiben massiven Raubbau am Regenwald

Kriminelle Netzwerke aus Brasilien, Peru und Kolumbien betreiben massiven Raubbau am Regenwald

Die Amazonasregion erlebt eine stille Krise: 91 Prozent der Abholzung im brasilianischen Amazonasgebiet sind laut verifizierten Quellen direkt mit illegalen Aktivitäten verbunden – darunter illegale Landrodung für die Landwirtschaft und handwerklicher Bergbau. Diese Umweltkriminalität ist keine lokale Angelegenheit, sondern eine international organisierte Operation.
Allein im Jahr 2024 war Brasilien für 42 Prozent des weltweiten Verlustes an Primärregenwald verantwortlich. Hinter diesen Zahlen steht systematische Organisierte Kriminalität.
Die verheerenden Amazonasbrände, von denen die Weltöffentlichkeit immer wieder hört, sind keineswegs Naturkatastrophen. Aktuelle Analysen belegen: In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt es sich um vorsätzlich gelegte Feuer – direkt verbunden mit kriminellen Aktivitäten. Die Brände begleiten illegale Landnahme für die Landwirtschaft, Waldrodung, Bergbau und Straßenbau.
Beginn der Erfassung
Seit 2018 haben illegale Bergbauoperationen in Peru 140.000 Hektar Regenwald zerstört
Rekordjahr für Abholzung
Brasilien verzeichnet 42% des weltweiten Primärregenwald-Verlustes im Jahr 2024
Gerichtliche Anordnung
Richter Flávio Dino vom brasilianischen Obersten Gerichtshof ordnet verstärkte Maßnahmen gegen kriminelle Organisationen im Amazonas an
Allein in Peru haben illegale Bergbauoperationen seit 2018 rund 140.000 Hektar Wald vernichtet – eine Fläche größer als das gesamte Stadtgebiet von München.
Die Umweltkriminalität im Amazonasgebiet ist keine zufällige Plünderung. Sie ist organisiert. Brasilianische, peruanische und kolumbianische kriminelle Organisationen operieren koordiniert und haben einen regelrechten Nexus zwischen organisierter Kriminalität und Umweltkriminalität geschaffen.
Noch besorgniserregender: Internationale Netzwerke sind involviert. Chinesische organisierte Kriminalgruppen betreiben sogenannte "Flying Money"-Operationen in der Region – ein System, bei dem Tauschhandel und Geldwäsche mit Amazonas-Produkten wie Wildtieren, Gold und Holz vermischt werden. Der geschätzte Wert dieser Operationen liegt global zwischen 51 und 152 Milliarden US-Dollar jährlich.
Der brasilianische Oberste Gerichtshof nimmt die Angelegenheit ernst. Richter Flávio Dino hat die Bundesregierung angewiesen, verstärkte repressive Maßnahmen gegen kriminelle Organisationen im Amazonasgebiet zu ergreifen. Ein Zeichen dafür, dass das Problem auf eine Ebene eskaliert ist, auf der die höchste Führungsebene handeln muss.
Die Umweltkriminalität im Amazonas ist kein isolierter brasilianischer oder südamerikanischer Skandal. Es handelt sich um eine globale Krisensituation mit direkten Konsequenzen für das Weltklima. Die organisierte Kriminalität, die die Abholzung vorantreibt, operiert über Landesgrenzen hinweg und involviert sowohl lokale als auch internationale Akteure.
Die Herausforderung liegt darin, dass Umweltkriminalität traditionell weniger juristische Aufmerksamkeit erhalten hat als andere Formen organisierter Kriminalität. Doch wenn 91 Prozent der Abholzung kriminell bedingt sind, muss sie als das behandelt werden, was sie ist: ein organisiertes Verbrechernetzwerk.
Die internationale Gemeinschaft steht vor der Aufgabe, Umweltkriminalität nicht länger als Kavaliersdelikt zu behandeln, sondern als schwere Form der organisierten Kriminalität mit verheerenden globalen Auswirkungen anzuerkennen und konsequent zu verfolgen.