51 Tote in Christchurch: Attentäter zu lebenslanger Haft verurteilt
Der australische Fitnesstrainer Brenton Harrison Tarrant tötete am 15. März 2019 bei koordinierten Angriffen auf zwei Moscheen in Neuseeland 51 Menschen

Der australische Fitnesstrainer Brenton Harrison Tarrant tötete am 15. März 2019 bei koordinierten Angriffen auf zwei Moscheen in Neuseeland 51 Menschen

Am 15. März 2019 verübte der 28-jährige Australier Brenton Harrison Tarrant zwei koordinierte Terroranschläge auf Moscheen in Christchurch, Neuseeland. Bei den Angriffen starben 51 Menschen, 89 weitere wurden verletzt, darunter 40 durch Schusswunden. Es war das tödlichste Attentat in der Geschichte Neuseelands.
Tarrant, der als Fitnesstrainer arbeitete, griff zunächst um 13:40 Uhr die Al Noor-Moschee an. Innerhalb von etwa fünf Minuten tötete er dort 44 Menschen. Nur zwölf Minuten später, um 13:52 Uhr, eröffnete er das Feuer im Linwood Islamic Centre. Die Polizei stoppte ihn schließlich, als er in Richtung einer dritten Moschee in Ashburton unterwegs war, indem sie sein Fahrzeug rammte.
Die Angriffe wurden mit militärischer Präzision durchgeführt. Tarrant war 360 Kilometer von seinem Wohnort Dunedin angereist und hatte sechs Schusswaffen sowie mehrere Brandbomben bei sich. Er hatte den Anschlag als seinen "Go-Plan" mehr als zwei Monate vor der Tat geplant.
Entwicklung terroristischer Absichten
Tarrant entwickelt laut Ermittlungen erstmals terroristische Absichten
Konkrete Planung beginnt
Mehr als zwei Monate vor der Tat entwickelt Tarrant seinen 'Go-Plan'
Versand des Manifests
Um 13:32 Uhr versendet Tarrant sein 74-seitiges Manifest an über 30 Empfänger
Angriff auf Al Noor-Moschee
Um 13:40 Uhr beginnt Tarrant den Angriff auf die Al Noor-Moschee, 44 Menschen sterben
Angriff auf Linwood Islamic Centre
Um 13:52 Uhr eröffnet Tarrant das Feuer im Linwood Islamic Centre
Festnahme
Die Polizei stoppt Tarrant durch Rammen seines Fahrzeugs auf dem Weg zu einer dritten Moschee
Schuldspruch
Tarrant wird in 51 Fällen des Mordes, 40 Fällen des versuchten Mordes und wegen Terrorismus schuldig gesprochen
Verurteilung
Tarrant erhält als erste Person in der neuseeländischen Geschichte lebenslange Haft ohne Bewährung
Acht Minuten bevor er das Feuer eröffnete, verschickte Tarrant ein 74-seitiges Manifest mit dem Titel "The Great Replacement" an mehr als 30 Empfänger, darunter das neuseeländische Parlament und verschiedene Medienunternehmen. Das Dokument enthielt seine ideologische Motivation für die Terroranschläge.
Untersuchungen zeigen, dass Tarrant bereits im Januar 2017 terroristische Absichten entwickelt hatte – mehr als zwei Jahre vor der Tat. Seine Planung war akribisch und langfristig angelegt.
Tarrant übertrug den ersten Angriff live auf Facebook über eine an seinem Helm montierte GoPro-Kamera. Damit wurde das Attentat zu einem der ersten größeren Terroranschläge, die in Echtzeit über soziale Medien verbreitet wurden. Diese neue Dimension der Gewaltdarstellung stellte Behörden und Plattformbetreiber vor massive Herausforderungen.
Tarrant wurde noch am Tag des Anschlags festgenommen. Am 26. März 2020 wurde er in 51 Fällen des Mordes, in 40 Fällen des versuchten Mordes und wegen einer terroristischen Handlung schuldig gesprochen. Im August 2020 verurteilte ihn das Gericht zu lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit einer Bewährung.
Diese Strafe war beispiellos in der neuseeländischen Rechtsgeschichte. Zum ersten Mal überhaupt wurde in Neuseeland eine Person zu lebenslanger Haft ohne jede Aussicht auf Freilassung verurteilt. Das Urteil spiegelte die beispiellose Schwere der Tat wider.
Das Attentat von Christchurch markierte einen Wendepunkt für Neuseeland, ein Land, das zuvor nie Terror in diesem Ausmaß erlebt hatte. Die Anschläge lösten weltweit Bestürzung aus und führten in Neuseeland zu einer schnellen Reform der Waffengesetze.
Die neuseeländische Regierung setzte eine Royal Commission ein, um die Ereignisse aufzuarbeiten und zu untersuchen, ob die Tat hätte verhindert werden können. Der Bericht der Kommission identifizierte mehrere Versäumnisse in der Sicherheitsarchitektur des Landes.
Für die muslimische Gemeinschaft in Neuseeland bedeutete der 15. März 2019 einen tiefen Einschnitt. Die Gesellschaft reagierte mit großer Solidarität, und Premierministerin Jacinda Ardern wurde international für ihren empathischen Umgang mit den Hinterbliebenen gewürdigt.