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Sagsmappe

87 Millionen Facebook-Nutzer durch Cambridge Analytica gehackt

Massiver Datendiebstahl durch britisches Analyseunternehmen

En figur, der ligner Christopher Wylie, i en afslappet jakke, står i et kontor omgivet af computerskærme, der viser datavisualiseringer, som symboliserer Facebook-Cambridge Analytica-skandalen.
BEVIS

Klassifikation:

Korruption
Konspirationsteori
Manipulation
Wisconsin
Michigan
USA
Storbritannien
Skandale

Quick Facts

Gerningsmand(e)Cambridge Analytica, Aleksandr Kogan
Offer(e)87 millioner Facebook-brugere
GerningsstedFacebook-platformen
Gerningsdato2013-2015
ForbrydelsestypeUautoriseret dataindsamling
Bedrageri
Politik
Medier
Internet
Identitetstyveri
Falsk anmeldelse
Psykologi
justitssvigt
justitsmordet
hvidvaskning
cybersikkerhed
magtmisbrug
overerstatningskommission
forbud
domstol

Zwischen 2013 und 2015 führte das britische Analyseunternehmen Cambridge Analytica eine massive unbefugte Datensammlung bei Facebook-Nutzern durch. Die Operation führte dazu, dass Daten von 87 Millionen Facebook-Profilen ohne informierte Zustimmung der Nutzer abgegriffen wurden – einer der größten Datenschutzskandale der Digitalgeschichte.

Die Operation wurde über eine psychologische Umfrage-App namens "thisisyourdigitallife" durchgeführt, die vom Wissenschaftler Aleksandr Kogan entwickelt wurde. Die App wurde von etwa 300.000 Menschen im Jahr 2013 installiert, doch das Problem reichte weit darüber hinaus: Die Anwendung konnte auch auf die Daten der Facebook-Freunde dieser Nutzer zugreifen.

Technische Schwachstelle systematisch ausgenutzt

Möglich war dies, weil Facebook zu diesem Zeitpunkt Drittanbieter-Applikationen umfangreichen Zugang zu Nutzerdaten über seine Programmierschnittstelle (API) gewährte. Cambridge Analytica nutzte diese technische Möglichkeit gezielt aus, um detaillierte Profile amerikanischer Wähler zu erstellen – mit dem Ziel, deren Wahlverhalten zu beeinflussen.

Zeitlinie

1. Januar 2013

Start der Datensammlung

Cambridge Analytica beginnt über die App "thisisyourdigitallife" systematisch Daten von Facebook-Nutzern zu sammeln. Etwa 300.000 Nutzer installieren die App, die jedoch auch auf Freundeslisten zugreift.

31. Dezember 2015

Ende der aktiven Datensammlung

Nach etwa drei Jahren endet die systematische Datensammlung. Insgesamt wurden Daten von 87 Millionen Facebook-Profilen ohne Zustimmung gesammelt.

8. November 2016

Einsatz bei US-Präsidentschaftswahl

Cambridge Analytica nutzt die gesammelten Daten zur Unterstützung der Trump-Kampagne bei der US-Präsidentschaftswahl 2016.

17. März 2018

Öffentliche Enthüllung

The Guardian und New York Times veröffentlichen gleichzeitig Artikel über den Datenskandal. Whistleblower Christopher Wylie, ehemaliger Mitarbeiter von Cambridge Analytica, deckt das Ausmaß auf.

18. März 2018

Facebook sperrt Cambridge Analytica

Einen Tag nach der Veröffentlichung suspendiert Facebook Cambridge Analytica und die verbundene SCL Group von seiner Plattform.

2. Mai 2018

Cambridge Analytica meldet Insolvenz

Nur zwei Monate nach der Enthüllung beantragt Cambridge Analytica Insolvenz nach Chapter 7 und stellt alle Operationen ein.

24. Juli 2019

5-Milliarden-Dollar-Strafe für Facebook

Die US-Handelsbehörde FTC verhängt eine Rekordstrafe von 5 Milliarden US-Dollar gegen Facebook wegen Verletzung der Privatsphäre von Nutzern.

30. Oktober 2019

Strafe in Großbritannien

Das britische Information Commissioner's Office verhängt die Höchststrafe von 500.000 Pfund gegen Facebook.

Die systematische Sammlung von Persönlichkeitsmerkmalen, politischen Präferenzen und sozialen Verbindungen ermöglichte es dem Unternehmen, hochgradig personalisierte politische Werbung zu schalten. Diese Form des Datenmissbrauch überschritt alle damals gültigen Grenzen.

Die Enthüllung schlug wie eine Bombe ein

Fast drei Jahre lang blieb die Operation verborgen. Erst am 17. März 2018 wurde der Fall öffentlich – durch gleichzeitig veröffentlichte Artikel in The Guardian und der New York Times. Die Enthüllung kam von Christopher Wylie, einem ehemaligen Mitarbeiter von Cambridge Analytica, der zum Whistleblower wurde.

Die Reaktionen erfolgten blitzschnell. Bereits einen Tag nach der Veröffentlichung, am 18. März 2018, sperrte Facebook Cambridge Analytica und die verbundene britische SCL Group von seiner Plattform.

Juristische Konsequenzen und Auflösung

Die weitere Entwicklung verlief brutal für Cambridge Analytica. Das Unternehmen meldete nur zwei Monate nach der Enthüllung, im Mai 2018, Insolvenz nach Chapter 7 des US-Insolvenzrechts an. Damit wurden alle Geschäftsaktivitäten vollständig eingestellt.

Facebook selbst wurde mit massiven Regulierungsstrafen konfrontiert. Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) verhängte im Juli 2019 eine Geldbuße von 5 Milliarden US-Dollar gegen Facebook wegen Verletzung der Privatsphäre – eine der höchsten Strafen in der Geschichte der Datenschutzverstöße.

Auch in Großbritannien folgten Sanktionen: Das britische Information Commissioner's Office (ICO) verhängte im Oktober 2019 eine Geldbuße von 500.000 Pfund – die Höchststrafe nach damals geltendem britischen Recht.

Politische Verbindungen im Mittelpunkt

Das Entscheidende am Cambridge-Analytica-Skandal war nicht nur der technische Missbrauch, sondern auch die Verbindung zu realer politischer Einflussnahme. Das Unternehmen hatte die gesammelten Facebook-Daten genutzt, um die Präsidentschaftskampagnen von Ted Cruz und später Donald Trump im Jahr 2016 zu unterstützen.

Die präzise Zielgruppenansprache auf Basis gestohlener Daten warf grundlegende Fragen über die Integrität demokratischer Prozesse im digitalen Zeitalter auf. Der Fall wurde zu einem Symbol für die Gefahren von Cyberkriminalität und unkontrollierter Datensammlung.

Wendepunkt für soziale Medien

Der Cambridge-Analytica-Skandal markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Debatte über die Verantwortung sozialer Medien für die Sicherheit von Nutzerdaten. Der Fall hat die globale Regulierung digitaler Plattformen nachhaltig beeinflusst.