87 Millionen Facebook-Nutzer durch Cambridge Analytica gehackt
Massiver Datendiebstahl durch britisches Analyseunternehmen
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Zwischen 2013 und 2015 führte das britische Analyseunternehmen Cambridge Analytica eine massive unbefugte Datensammlung bei Facebook-Nutzern durch. Die Operation führte dazu, dass Daten von 87 Millionen Facebook-Profilen ohne informierte Zustimmung der Nutzer abgegriffen wurden – einer der größten Datenschutzskandale der Digitalgeschichte.
Die Operation wurde über eine psychologische Umfrage-App namens "thisisyourdigitallife" durchgeführt, die vom Wissenschaftler Aleksandr Kogan entwickelt wurde. Die App wurde von etwa 300.000 Menschen im Jahr 2013 installiert, doch das Problem reichte weit darüber hinaus: Die Anwendung konnte auch auf die Daten der Facebook-Freunde dieser Nutzer zugreifen.
Möglich war dies, weil Facebook zu diesem Zeitpunkt Drittanbieter-Applikationen umfangreichen Zugang zu Nutzerdaten über seine Programmierschnittstelle (API) gewährte. Cambridge Analytica nutzte diese technische Möglichkeit gezielt aus, um detaillierte Profile amerikanischer Wähler zu erstellen – mit dem Ziel, deren Wahlverhalten zu beeinflussen.
Start der Datensammlung
Cambridge Analytica beginnt über die App "thisisyourdigitallife" systematisch Daten von Facebook-Nutzern zu sammeln. Etwa 300.000 Nutzer installieren die App, die jedoch auch auf Freundeslisten zugreift.
Ende der aktiven Datensammlung
Nach etwa drei Jahren endet die systematische Datensammlung. Insgesamt wurden Daten von 87 Millionen Facebook-Profilen ohne Zustimmung gesammelt.
Einsatz bei US-Präsidentschaftswahl
Cambridge Analytica nutzt die gesammelten Daten zur Unterstützung der Trump-Kampagne bei der US-Präsidentschaftswahl 2016.
Öffentliche Enthüllung
The Guardian und New York Times veröffentlichen gleichzeitig Artikel über den Datenskandal. Whistleblower Christopher Wylie, ehemaliger Mitarbeiter von Cambridge Analytica, deckt das Ausmaß auf.
Facebook sperrt Cambridge Analytica
Einen Tag nach der Veröffentlichung suspendiert Facebook Cambridge Analytica und die verbundene SCL Group von seiner Plattform.
Cambridge Analytica meldet Insolvenz
Nur zwei Monate nach der Enthüllung beantragt Cambridge Analytica Insolvenz nach Chapter 7 und stellt alle Operationen ein.
5-Milliarden-Dollar-Strafe für Facebook
Die US-Handelsbehörde FTC verhängt eine Rekordstrafe von 5 Milliarden US-Dollar gegen Facebook wegen Verletzung der Privatsphäre von Nutzern.
Strafe in Großbritannien
Das britische Information Commissioner's Office verhängt die Höchststrafe von 500.000 Pfund gegen Facebook.
Die systematische Sammlung von Persönlichkeitsmerkmalen, politischen Präferenzen und sozialen Verbindungen ermöglichte es dem Unternehmen, hochgradig personalisierte politische Werbung zu schalten. Diese Form des Datenmissbrauch überschritt alle damals gültigen Grenzen.
Fast drei Jahre lang blieb die Operation verborgen. Erst am 17. März 2018 wurde der Fall öffentlich – durch gleichzeitig veröffentlichte Artikel in The Guardian und der New York Times. Die Enthüllung kam von Christopher Wylie, einem ehemaligen Mitarbeiter von Cambridge Analytica, der zum Whistleblower wurde.
Die Reaktionen erfolgten blitzschnell. Bereits einen Tag nach der Veröffentlichung, am 18. März 2018, sperrte Facebook Cambridge Analytica und die verbundene britische SCL Group von seiner Plattform.
Die weitere Entwicklung verlief brutal für Cambridge Analytica. Das Unternehmen meldete nur zwei Monate nach der Enthüllung, im Mai 2018, Insolvenz nach Chapter 7 des US-Insolvenzrechts an. Damit wurden alle Geschäftsaktivitäten vollständig eingestellt.
Facebook selbst wurde mit massiven Regulierungsstrafen konfrontiert. Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) verhängte im Juli 2019 eine Geldbuße von 5 Milliarden US-Dollar gegen Facebook wegen Verletzung der Privatsphäre – eine der höchsten Strafen in der Geschichte der Datenschutzverstöße.
Auch in Großbritannien folgten Sanktionen: Das britische Information Commissioner's Office (ICO) verhängte im Oktober 2019 eine Geldbuße von 500.000 Pfund – die Höchststrafe nach damals geltendem britischen Recht.
Das Entscheidende am Cambridge-Analytica-Skandal war nicht nur der technische Missbrauch, sondern auch die Verbindung zu realer politischer Einflussnahme. Das Unternehmen hatte die gesammelten Facebook-Daten genutzt, um die Präsidentschaftskampagnen von Ted Cruz und später Donald Trump im Jahr 2016 zu unterstützen.
Die präzise Zielgruppenansprache auf Basis gestohlener Daten warf grundlegende Fragen über die Integrität demokratischer Prozesse im digitalen Zeitalter auf. Der Fall wurde zu einem Symbol für die Gefahren von Cyberkriminalität und unkontrollierter Datensammlung.
Der Cambridge-Analytica-Skandal markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Debatte über die Verantwortung sozialer Medien für die Sicherheit von Nutzerdaten. Der Fall hat die globale Regulierung digitaler Plattformen nachhaltig beeinflusst.