DeLorean: Vom Autoboss zum Kokain-Verdächtigen
Wie ein FBI-Informant den legendären Sportwagenbauer in eine Falle lockte

Wie ein FBI-Informant den legendären Sportwagenbauer in eine Falle lockte

Am 19. Oktober 1982 wurde John DeLorean, der legendäre Automobildesigner und ehemalige Top-Manager bei General Motors, in einem Hotel nahe des Los Angeles International Airport von FBI-Agenten verhaftet. Der Vorwurf: Drogenhandel im großen Stil – angeblich sollte er den Import von rund 100 Kilogramm Kokain im Wert von mehreren Millionen Dollar finanziert haben.
Doch die Geschichte hinter dieser spektakulären Verhaftung war weitaus komplexer als es zunächst schien. Sie handelt von verzweifelten finanziellen Nöten, einem zwielichtigen FBI-Informanten und einem der umstrittensten Fälle von behördlicher Manipulation in der amerikanischen Rechtsgeschichte.
Zehn Jahre vor seiner Verhaftung, um 1972, hatte DeLorean eine hochdotierte Position bei General Motors aufgegeben – mit einem Jahresgehalt von etwa 600.000 US-Dollar – um seinen Traum zu verwirklichen: ein eigenes Automobilunternehmen. Die DeLorean Motor Company sollte einen ikonischen Sportwagen mit Edelstahlkarosserie und charakteristischen Flügeltüren produzieren, der direkt mit der Corvette konkurrieren sollte.
DeLorean verlässt General Motors
John DeLorean gibt seine hochbezahlte Position bei GM auf, um die DeLorean Motor Company zu gründen.
Finanzielle Krise
Die britische Regierung zieht die Finanzierung zurück. DeLorean Motor Company wird insolvent mit 17 Millionen Dollar Schulden.
Verhaftung in Los Angeles
John DeLorean wird bei einer FBI-Operation in einem Hotel nahe des Flughafens von Los Angeles verhaftet. Vorwurf: Kokainhandel.
Freilassung auf Kaution
DeLorean wird gegen eine Kaution von 5 Millionen US-Dollar freigelassen. Ihm drohen bis zu 67 Jahre Haft.
Freispruch wegen Entrapment
Die Jury spricht DeLorean frei. Sie kommt zu dem Schluss, dass er Opfer von behördlichem Entrapment wurde.
Das Design war revolutionär, futuristisch und einzigartig. Doch der kommerzielle Erfolg blieb aus. Technische Probleme, vor allem elektrische Defekte, plagten das Fahrzeug von Anfang an. Die Verkaufszahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück.
Anfang 1982 zog die britische Regierung, die das Unternehmen mit Subventionen unterstützt hatte, ihre Finanzierung zurück. Die DeLorean Motor Company wurde für insolvent erklärt – mit Schulden in Höhe von 17 Millionen US-Dollar. John DeLorean stand mit dem Rücken zur Wand.
Genau diese finanzielle Verzweiflung machte ihn zu einem leichten Ziel für James Hoffman, einen FBI-Informanten mit eigener krimineller Vergangenheit. Hoffman wurde vom FBI beauftragt, DeLorean in ein Kokain-Geschäft zu verwickeln – eine verdeckte Operation, die angeblich einen Deal im Wert von 24 Millionen US-Dollar betraf.
Im Hotel nahe dem Flughafen von Los Angeles wurde DeLorean etwa 25 bis 27 Kilogramm Kokain präsentiert, das mit einem Straßenverkaufswert von rund 6,5 Millionen US-Dollar beziffert wurde. Unmittelbar danach schlugen die FBI-Agenten zu. DeLorean wurde festgenommen und gegen eine Kaution von 5 Millionen US-Dollar wieder freigelassen. Ihm drohten bis zu 67 Jahre Haft.
Doch während die Ermittlungen voranschritten, kam ein entscheidendes Detail ans Licht: James Hoffman hatte gegenüber dem ehemaligen DEA-Agenten Gerald Scotti damit geprahlt, er werde "John DeLorean kriegen", nachdem er von dessen finanziellen Problemen in der Zeitung gelesen hatte. Es war nicht DeLorean, der aktiv nach einem illegalen Ausweg suchte – es war Hoffman, der ihn systematisch in die Falle lockte.
DeLorean selbst beschrieb die Ereignisse in Briefen an seinen Anwalt als eine "aufwendig inszenierte Schauspielerei". Sein Verteidigungsteam argumentierte, dass er Opfer von "Entrapment" geworden sei – einer illegalen Praxis, bei der Strafverfolgungsbehörden eine Person dazu verleiten, eine Straftat zu begehen, die sie sonst niemals begangen hätte.
Am 16. August 1984 sprach die Jury John DeLorean in allen Anklagepunkten frei. Die Geschworenen kamen zu dem Schluss, dass die Regierung ihre Befugnisse missbraucht hatte. DeLorean war kein Drogenhändler – er war ein verzweifelter Geschäftsmann, der von einem FBI-Informanten manipuliert worden war.
Doch der Freispruch kam zu spät. Die DeLorean Motor Company hatte längst Insolvenz angemeldet und den Betrieb eingestellt. Sein Name war für immer mit dem Kokain-Skandal verbunden – nicht mit seinen ingenieurtechnischen Leistungen oder seiner Vision eines amerikanischen Traumautos.