Jussie Smollett inszenierte Hassverbrechen in Chicago
US-Schauspieler täuschte rassistischen Übergriff vor

US-Schauspieler täuschte rassistischen Übergriff vor

Am 29. Januar 2019 erstattete der amerikanische Schauspieler Jussie Smollett bei der Polizei in Chicago Anzeige wegen eines angeblichen Hassverbrechen. Nach seiner Darstellung war er von zwei Personen überfallen worden, die ihm Bleichmittel über den Kopf geschüttet, ihn geschlagen und ihm eine Schlinge um den Hals gelegt hatten, während sie rassistische und homophobe Beleidigungen ausstießen.
Smollett behauptete außerdem, die Angreifer hätten "This is MAGA country" gerufen – eine Anspielung auf Donald Trumps Wahlkampfslogan "Make America Great Again". Zudem beschrieb er einen der Täter als weiß, obwohl sich später herausstellte, dass beide Beteiligten schwarz waren.
Es stellte sich schnell heraus, dass Smollett den Überfall selbst inszeniert hatte. Er hatte zwei Brüder, Abimbola und Olabinjo Osundairo, angeheuert, die mit ihm zusammen in der TV-Serie "Empire" arbeiteten, um den Fake-Angriff auszuführen. Laut Gerichtsverfahren wurden die Brüder mit 3.500 US-Dollar für ihre Beteiligung bezahlt und erhielten detaillierte Anweisungen von Smollett.
Angeblicher Überfall
Jussie Smollett erstattet Anzeige wegen eines vorgeblichen rassistischen und homophoben Übergriffs in Chicago
Ermittlungen beginnen
Die Polizei in Chicago nimmt Ermittlungen auf und prüft Videoüberwachungsmaterial aus dem Stadtteil Streeterville
Verhaftung der Brüder
Abimbola und Olabinjo Osundairo werden verhaftet und gestehen, von Smollett für die Inszenierung bezahlt worden zu sein
Smollett wird angeklagt
Der Schauspieler wird wegen Vortäuschung einer Straftat angeklagt, zunächst mit 16 Anklagepunkten
Schuldspruch
Ein Geschworenengericht in Chicago spricht Smollett in fünf Anklagepunkten schuldig
Strafmaß verkündet
Smollett wird zu 150 Tagen Haft, 120.106 US-Dollar Schadensersatz und 30 Monaten Bewährung verurteilt
Urteil aufgehoben
Der Oberste Gerichtshof von Illinois hebt die Verurteilung auf, da eine frühere Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft bestand
Der angebliche Überfall fand in der East Lower North Water Street im Stadtteil Streeterville in Chicago statt – einem Gebiet, das unter Videoüberwachung stand, was letztlich zur Aufklärung des Falls beitrug.
Im Dezember 2021 wurde Smollett in fünf Anklagepunkten der Vortäuschung einer Straftat für schuldig befunden. Im März 2022 verurteilte ihn das Gericht zu 150 Tagen Haft im County Jail und ordnete die Zahlung von 120.106 US-Dollar Schadensersatz an. Zusätzlich erhielt er 30 Monate Bewährung.
Ursprünglich war Smollett wegen 16 Anklagepunkten nach dem Strafrecht von Illinois wegen ungebührlichen Verhaltens angeklagt worden. Später wurde die Anklage auf sechs Punkte im Zusammenhang mit vier falschen Polizeimeldungen reduziert.
Im Jahr 2023 hob der Oberste Gerichtshof von Illinois Smolletts Verurteilung auf. Das Gericht stellte fest, dass eine erneute strafrechtliche Verfolgung gegen sein Recht auf ein gerechtes Verfahren verstoßen würde. Dies lag daran, dass er zuvor bereits eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft getroffen hatte.
Im Zusammenhang mit Smolletts Zivilklage gegen die Stadt Chicago einigten sich die Parteien schließlich auf eine Lösung, womit ein sechs Jahre andauernder Rechtsstreit zwischen Smollett und der Stadtverwaltung beendet wurde.
Der Fall sorgte international für Aufsehen und löste eine intensive Debatte über vorgetäuschte Hassverbrechen und deren Auswirkungen auf echte Opfer von Diskriminierung und Gewalt aus.