Kim Philby: Der britische Spionagechef, der sein Land verriet
Wie ein hochrangiger MI6-Agent über drei Jahrzehnte für Moskau spionierte

Wie ein hochrangiger MI6-Agent über drei Jahrzehnte für Moskau spionierte

Harold Adrian Russell Philby, besser bekannt als Kim Philby, gehörte zu den verheerendsten Spionen in der Geschichte des britischen Geheimdienstes. Was ihn so gefährlich machte: Er war kein externer Feind, sondern arbeitete in den höchsten Rängen des MI6 – und lieferte gleichzeitig alles nach Moskau.
1934 wurde Philby von Arnold Deutsch, einem Agenten der sowjetischen OGPU (Vorgängerorganisation des KGB), unter dem Decknamen "Otto" rekrutiert. Was als einzelne Kontaktaufnahme begann, sollte zu einer der erfolgreichsten Spionageoperationen der Sowjetunion werden und den Verlauf der Geschichte maßgeblich beeinflussen.
Philby war Mitglied der legendären "Cambridge Five" – einer Gruppe britischer Geheimdienstmitarbeiter und Akademiker, die während des Zweiten Weltkriegs und im Kalten Krieg Geheimnisse an die Sowjetunion weitergaben. Diese Spionagering, bestehend aus privilegierten Absolventen der Universität Cambridge, infiltrierte die höchsten Ebenen des britischen Establishments.
Rekrutierung durch den KGB
Arnold Deutsch (Deckname "Otto") von der sowjetischen OGPU/KGB rekrutiert Kim Philby als Doppelagent.
Karriere im MI6 beginnt
Philby beginnt seine Arbeit für den britischen Geheimdienst MI6 und steigt in den folgenden Jahren zum Seniorchef auf.
Verbindungsoffizier in Washington
Philby wird britischer Verbindungsoffizier zwischen MI6, CIA und FBI in Washington D.C. und erhält Zugang zu höchst sensiblen westlichen Operationen.
Verrat der Albanien-Operation
Philby verrät die geplante Operation zur Entsendung albanischer Freiheitskämpfer an den KGB. Zahlreiche Menschen sterben in der Falle.
Warnung an Maclean und Burgess
Philby soll seine Mitverschwörer Donald Maclean und Guy Burgess gewarnt haben, woraufhin beide nach Moskau fliehen können.
Geständnis in Beirut
Im Gespräch mit MI6-Kollege Nicholas Elliott gesteht Philby, dreißig Jahre lang als sowjetischer Doppelagent gearbeitet zu haben.
Flucht nach Moskau
Philby setzt sich auf einem sowjetischen Frachter nach Moskau ab und entgeht damit einer Strafverfolgung.
Tod in Moskau
Kim Philby stirbt im Alter von 76 Jahren in Moskau, wo er als Held des KGB gilt.
Über drei Jahrzehnte hinweg verriet Philby mehr als 900 britische Geheimdokumente an den NKWD und später den KGB. Seine Position als Seniorchef im MI6 verschaffte ihm Zugang zu den sensibelsten Operationen des Westens.
Besonders brisant wurde Philbys Rolle, als er zum britischen Verbindungsoffizier zwischen dem MI6 und den amerikanischen Geheimdiensten CIA und FBI in Washington D.C. ernannt wurde. In dieser Funktion hatte er Einblick in nahezu alle gemeinsamen Operationen der westlichen Geheimdienste – und leitete die Informationen direkt nach Moskau weiter.
Eine seiner schwersten Verbrechen war der Verrat an einer geheimen Operation in Albanien. Westliche Geheimdienste planten, albanische Freiheitskämpfer zurück in ihre Heimat zu schicken, um die kommunistische Regierung zu stürzen. Philby verriet die Operation an den KGB. Die Folge: Die albanischen Kämpfer liefen direkt in eine Falle, zahlreiche Menschen starben.
Philby wird auch verdächtigt, seine Mitverschwörer Donald Maclean und Guy Burgess gewarnt zu haben, als deren Tarnung aufzufliegen drohte. Dank seiner rechtzeitigen Warnung konnten beide Doppelagenten fliehen, bevor sie verhaftet werden konnten.
Jahrelang gelang es Philby, jeden Verdacht von sich abzulenken. Seine privilegierte Herkunft, sein Charme und seine Position im Establishment schützten ihn lange vor Ermittlungen.
Im Januar 1963 verdichteten sich die Beweise gegen Philby. Bei einem Treffen mit seinem MI6-Kollegen Nicholas Elliott in Beirut gestand er schließlich, dass er dreißig Jahre lang als sowjetischer Doppelagent gearbeitet hatte. Sein Geständnis vom 11. Januar 1963 wurde als "Geheim" klassifiziert und erst über 50 Jahre später teilweise freigegeben.
Großbritannien bot Philby Immunität vor Strafverfolgung an, wenn er kooperieren würde. Doch Philby wählte einen anderen Weg.
Anfang 1963 setzte sich Philby auf einem sowjetischen Frachter nach Moskau ab. Statt sich einem Prozess zu stellen, verbrachte er die letzten 25 Jahre seines Lebens in der Sowjetunion. Er starb 1988 im Alter von 76 Jahren in Moskau – als gefeierter Held des KGB, für die Briten jedoch als einer der größten Verräter ihrer Geschichte.
Da er geflohen war, kam es nie zu einer formellen Anklage, einem Prozess oder einer Verurteilung. Die britische Justiz konnte ihn nicht zur Rechenschaft ziehen.
Jeden Zweifel an Philbys Verrat beseitigte schließlich der KGB-Agent Anatoli Golizyn, der Anfang der 1960er Jahre in den Westen überlief. Seine Aussagen bestätigten das volle Ausmaß von Philbys Spionagetätigkeit für Moskau.
Der Fall Kim Philby gilt bis heute als einer der schwerwiegendsten Sicherheitsverstöße in der Geschichte der westlichen Geheimdienste und zeigt, wie ein einzelner Mann in der richtigen Position jahrzehntelang die Sicherheit ganzer Nationen gefährden kann.