Der Fall Kundby: Wie eine 15-Jährige zur Terroristin wurde
Von der gemobbten Schülerin zur ISIS-Sympathisantin – die schockierende Radikalisierung der Natascha Colding-Olsen

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Quick Facts
Von der gemobbten Schülerin zur ISIS-Sympathisantin – die schockierende Radikalisierung der Natascha Colding-Olsen

Quick Facts
Im Januar 2025 wurde Dänemark von einem Fall erschüttert, der die Öffentlichkeit fassungslos zurückließ: Eine 15-jährige Schülerin aus dem beschaulichen Dorf Kundby auf Westseeland wurde wegen der Planung terroristischer Anschläge festgenommen. Natascha Colding-Olsen hatte innerhalb weniger Monate eine erschreckende Wandlung durchgemacht – von einem gemobbten Mädchen zu einer radikalisierten ISIS-Sympathisantin, die Bombenanschläge auf ihre ehemalige Schule und eine jüdische Einrichtung in Kopenhagen plante.
Der Fall der sogenannten "Kundby-Pigen" stellte nicht nur die kleine Gemeinde, sondern das gesamte dänische Rechtssystem vor eine beispiellose Herausforderung. 2026 wurde Natascha Colding-Olsen nach dem dänischen Terrorparagrafen verurteilt – eine der jüngsten Terroristinnen in der europäischen Kriminalgeschichte.
Natascha Colding-Olsen wuchs in Kundby auf, einem kleinen Dorf, in dem jeder jeden kennt. Gerichtsdokumente und journalistische Recherchen zeichnen das Bild einer tief verunsicherten Jugendlichen. Als 14-Jährige wurde sie in der Schule gemobbt, was zu selbstverletzendem Verhalten führte. Spätere psychologische Gutachten diagnostizierten eine ausgeprägte Identitätskrise und emotionale Labilität – Faktoren, die sie besonders empfänglich für extremistische Radikalisierung machten.
Türkei-Urlaub und Konversion
Nach einem Familienurlaub in der Türkei konvertiert die 14-jährige Natascha zum Islam. Beginn ihrer Beschäftigung mit extremistischen Inhalten.
Beginn der Chemikaliensammlung
Natascha beginnt systematisch, Chemikalien für die Herstellung des Sprengstoffs TATP zu sammeln und im Elternhaus zu lagern.
Heimliche Tonaufnahme durch Lehrer
Der ehemalige Lehrer Christian Koed trifft sich mit Natascha und zeichnet das Gespräch heimlich auf – ein entscheidendes Beweismittel.
Verhaftung in Kundby
Die 15-jährige Natascha Colding-Olsen wird wegen Terrorplanung verhaftet. Bei der Hausdurchsuchung werden Chemikalien und Propagandamaterial sichergestellt.
Verurteilung nach Terrorparagraf
Natascha Colding-Olsen wird als eine der jüngsten Terroristinnen Europas nach dem dänischen Terrorparagrafen verurteilt.
Die Transformation begann schleichend. Was als Suche nach Halt und Zugehörigkeit begann, entwickelte sich rasch zu einer gefährlichen Obsession mit islamistischem Extremismus.
Nach einem Familienurlaub in der Türkei im Sommer 2015 konvertierte die damals 14-Jährige zum Islam. Was zunächst wie eine jugendliche Orientierungssuche wirkte, entwickelte sich binnen weniger Wochen zu einer intensiven Beschäftigung mit der Propaganda des Islamischen Staates (ISIS). Über soziale Medien und einschlägige Online-Foren verschaffte sich Natascha Zugang zu extremistischem Material.
Innerhalb von nur sechs Monaten baute sie ein umfangreiches Netzwerk auf und korrespondierte mit Personen, die sie für ISIS-Kämpfer hielt. Einer dieser Online-Kontakte soll ihr detaillierte Anleitungen zur Herstellung von Bomben gegeben haben. Die Online-Radikalisierung vollzog sich mit erschreckender Geschwindigkeit.
Ab Dezember 2015 begann Natascha systematisch, Zutaten für den hochexplosiven Sprengstoff Triaceton-Triperoxid (TATP) zu sammeln. TATP ist unter Terroristen als "Mutter Satan" bekannt – wegen seiner extremen Instabilität und Sprengkraft. Die tödliche Substanz wurde bereits bei mehreren Terroranschlägen in Europa eingesetzt.
Die Teenagerin besorgte sich Chemikalien wie Aceton und Wasserstoffperoxid in lokalen Geschäften und versteckte sie im Keller des Elternhauses in Kundby. Als Vorwand gab sie an, die Substanzen für Schulprojekte zu benötigen. Laut Anklageschrift versuchte sie anhand von Online-Anleitungen, funktionsfähige Bomben herzustellen, scheiterte jedoch offenbar an mangelnden chemischen Kenntnissen.
Die Tatsache, dass eine 15-Jährige unbemerkt an derart gefährliche Materialien gelangen konnte, löste eine heftige Debatte über Jugendschutz und Verkaufskontrollen in Dänemark aus.
Die Aufdeckung des Falls erfolgte durch einen anonymen Hinweis aus unerwarteter Quelle: Ein amerikanischer Militäroffizier, der im Irak mit Cyber-Überwachung betraut war, stieß auf Nataschas Online-Kommunikation mit mutmaßlichen ISIS-Mitgliedern. Der Tipp wurde an die dänischen Behörden weitergeleitet und führte zu einer koordinierten Aktion zwischen dem dänischen Nachrichtendienst PET (Politiets Efterretningstjeneste) und der lokalen Polizei.
Die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen Terrorismus erwies sich als entscheidend. Ohne die amerikanische Überwachung wäre der Fall möglicherweise erst nach einem verheerenden Anschlag bekannt geworden.
Am 5. Januar 2025, acht Tage vor ihrer Verhaftung, traf sich Natascha mit ihrem ehemaligen Lehrer Christian Koed. Was sie nicht wusste: Der Pädagoge war bereits von den Behörden informiert worden und zeichnete das Gespräch heimlich auf.
Diese Tonaufnahme wurde später zu einem zentralen Beweismittel im Prozess. In dem Gespräch soll Natascha laut Medienberichten offen über ihre Pläne gesprochen und ihre Überzeugungen dargelegt haben. Die ethischen und rechtlichen Fragen rund um diese verdeckte Aufnahme – ein Lehrer, der seine ehemalige Schülerin ausspioniert – führten zu kontroversen Diskussionen in der dänischen Öffentlichkeit.
Am 13. Januar 2025 schlug die Polizei zu. Bei der Durchsuchung des Elternhauses in Kundby wurden Chemikalien, extremistische Propaganda und umfangreiches Beweismaterial für die Anschlagsplanung sichergestellt. Die Ermittlungen ergaben, dass Natascha konkrete Pläne für Anschläge auf ihre ehemalige Volksschule und eine jüdische Schule in Kopenhagen entwickelt hatte.
Der Fall sorgte international für Aufsehen. Eine 15-Jährige aus einem beschaulichen dänischen Dorf als Terroristin – das passte nicht in das gängige Bild. Doch die Beweislage war erdrückend. 2026 wurde Natascha Colding-Olsen nach dem dänischen Terrorparagrafen verurteilt.
Der Kundby-Fall warf grundlegende Fragen auf: Wie konnte die Radikalisierung einer Jugendlichen so lange unbemerkt bleiben? Welche Rolle spielen soziale Medien und Online-Foren bei der Verbreitung extremistischer Ideologien? Und wie geht eine Gesellschaft mit minderjährigen Terroristen um?
In Kundby selbst herrschte Schock und Ungläubigkeit. Nachbarn und Bekannte beschrieben Natascha als ruhiges, unauffälliges Mädchen. Die Tatsache, dass eine derart radikale Wandlung im direkten Umfeld stattfinden konnte, ohne dass jemand Alarm schlug, führte zu intensiven Diskussionen über Präventionsmaßnahmen.
Dänemark verschärfte in der Folge seine Programme zur Früherkennung von Radikalisierung, insbesondere bei Jugendlichen. Schulen wurden verpflichtet, Lehrer im Erkennen von Warnsignalen zu schulen.
Nach ihrer Verurteilung stand die Frage im Raum: Was geschieht mit einer verurteilten Terroristin, die zum Zeitpunkt ihrer Taten noch ein Kind war? Das dänische Justizsystem setzt bei Jugendlichen auf Rehabilitation statt auf reine Bestrafung.
Details über Nataschas Leben nach der Haftentlassung sind aus Gründen des Opferschutzes und der Resozialisierung nicht öffentlich. Der Fall bleibt jedoch ein mahnendes Beispiel für die Gefahren der Online-Radikalisierung und die Vulnerabilität von emotional labilen Jugendlichen gegenüber extremistischen Ideologien.
Der Kundby-Fall zeigt eindrücklich: Terrorismus hat viele Gesichter – manchmal das einer verzweifelten 15-Jährigen auf der Suche nach Identität und Zugehörigkeit.