Claus von Bülow: Dänischer Aristokrat nach Mordprozess freigesprochen
Der spektakuläre Fall eines dänisch-britischen Anwalts, der seine Millionärsgattin vergiftet haben soll

Der spektakuläre Fall eines dänisch-britischen Anwalts, der seine Millionärsgattin vergiftet haben soll

Der in Kopenhagen geborene Claus von Bülow wurde 1982 wegen versuchten Mordes an seiner wohlhabenden Ehefrau verurteilt, doch drei Jahre später kam es zu einem der spektakulärsten Freisprüche der amerikanischen Justizgeschichte.
Claus Cecil Borberg wurde am 11. August 1926 in Kopenhagen als Sohn des dänischen Schriftstellers Svend Borberg geboren. Als britischer Anwalt und Berater bewegte er sich in den höchsten Kreisen der internationalen High Society. Seine Ehe mit Martha Sharp Crawford, genannt Sunny, einer amerikanischen Millionenerbin, schien perfekt – bis die Tragödie begann.
Mord in der High Society
Geburt in Kopenhagen
Claus Cecil Borberg wird als Sohn des dänischen Schriftstellers Svend Borberg in Kopenhagen geboren.
Erster Zusammenbruch
Sunny von Bülow erleidet den ersten mysteriösen Zusammenbruch mit Insulinvergiftung in Newport, Rhode Island.
Koma-Zustand
Nach dem zweiten Vorfall fällt Sunny von Bülow ins Koma, aus dem sie nie mehr erwachen wird.
Erste Verurteilung
Claus von Bülow wird wegen versuchten Mordes zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt.
Urteil aufgehoben
Der Oberste Gerichtshof von Rhode Island hebt die Verurteilung wegen unzulässiger Beweise auf.
Freispruch im zweiten Prozess
Claus von Bülow wird in Providence freigesprochen – die Staatsanwaltschaft kann ohne die Insulinspritze keine ausreichenden Beweise vorlegen.
Filmveröffentlichung
Der Film 'Reversal of Fortune' mit Jeremy Irons und Glenn Close macht den Fall weltweit bekannt.
Tod von Sunny von Bülow
Sunny von Bülow stirbt nach 28 Jahren im Koma, ohne je das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.
Tod von Claus von Bülow
Claus von Bülow stirbt im Alter von 92 Jahren in London.
Sunny von Bülow stammte aus einer der reichsten Familien Amerikas. Ihr Vermögen und ihre gesellschaftliche Stellung machten das Paar zu Fixpunkten der Schickeria an der amerikanischen Ostküste.
In den Jahren 1979 und 1980 erlitt Sunny von Bülow in der gemeinsamen Villa in Newport, Rhode Island, mehrere lebensbedrohliche Zusammenbrüche. Die Ärzte diagnostizierten eine Insulin-Überdosierung. Nach dem zweiten Vorfall fiel die 49-Jährige ins Koma – ein Zustand, aus dem sie nie mehr erwachen sollte.
Giftmorde
Die Ermittlungen konzentrierten sich schnell auf Ehemann Claus. Ermittler fanden eine sogenannte "schwarze Tasche" mit einer Spritze, die Insulinrückstände aufwies. Die Staatsanwaltschaft war überzeugt: Von Bülow hatte versucht, seine Frau zu ermorden, um an ihr Vermögen zu gelangen.
1982 stand Claus von Bülow vor Gericht. Die Beweislage schien erdrückend: Die Insulinspritze, die Zeugenaussagen, das Motiv. Die Geschworenen befanden ihn des versuchten Mordes für schuldig. Das Urteil: 30 Jahre Gefängnis.
Doch von Bülow beteuerte seine Unschuld und ging nicht ins Gefängnis. Er legte Berufung ein und engagierte einen der brillantesten Rechtsanwälte der USA.
Professor Alan Dershowitz von der renommierten Harvard Law School übernahm die Verteidigung. Der als Medienanwalt bekannte Jurist erkannte die Schwachstellen der Anklage: Die entscheidenden Beweise – die Spritze und die schwarze Tasche – waren ohne ordnungsgemäßen Durchsuchungsbefehl beschlagnahmt worden.
Am 27. April 1985 hob der Oberste Gerichtshof von Rhode Island die Verurteilung auf. Das Gericht entschied, dass die Beweise unzulässig gewesen waren. Ein neuer Prozess wurde angeordnet.
Berühmte Justizirrtümer
Im zweiten Prozess 1985 in Providence sah sich die Staatsanwaltschaft ohne ihre wichtigsten Beweismittel. Ohne die Insulinspritze konnte sie nicht zweifelsfrei nachweisen, dass von Bülow seine Frau vergiftet hatte. Die Verteidigung argumentierte geschickt, dass Sunny möglicherweise selbst Insulin genommen oder dass ihr Koma andere medizinische Ursachen haben könnte.
Die Geschworenen sprachen Claus von Bülow frei. Das Urteil löste heftige Kontroversen aus. Viele waren überzeugt, dass ein Mörder durch juristische Tricks entkommen war. Andere sahen darin einen Triumph der Rechtsstaatlichkeit.