Ob mangelnde Waffenkenntnis oder bloßes Pech den Auftragsmörder scheitern ließen, bleibt unklar. Fest steht jedoch, dass die Ladehemmung dem vorgesehenen Opfer das Leben rettete. Der gescheiterte Angriff führte dennoch zur Verhaftung zweier Tatverdächtiger, darunter Slåen selbst.
Schüsse auf Amager mit verheerenden Folgen
Der zweite Anschlag verlief aus Sicht des Täters "erfolgreicher". In einem Hinterhof auf der Kopenhagener Insel Amager schoss Slåen auf sein Opfer und verletzte es schwer. Die Schussverletzungen führten zu einer dauerhaften Querschnittslähmung – das Opfer ist seither von der Hüfte abwärts gelähmt.
Diese Schussverletzung wird das Leben des Betroffenen für immer prägen. Der 22-Jährige, der dem dänischen Gangmilieu zugerechnet wird, überlebte zwar den Anschlag, muss aber mit den schweren körperlichen Folgen leben.
Auftraggeber bleibt unbekannt
Trotz Slåens Geständnis, als bezahlter Auftragskiller gehandelt zu haben, konnte die Identität des oder der Auftraggeber nicht geklärt werden. Nach Angaben der Ermittler wurde Slåen eine Summe in Höhe von umgerechnet über 600.000 Euro (mehr als acht Millionen isländische Kronen) für die Ausführung der beiden Morde versprochen.
Die Frage nach den Hintermännern bleibt damit offen – ein häufiges Problem in Fällen von Auftragsmorden im organisierten Verbrechen. Häufig nutzen die eigentlichen Drahtzieher Mittelsmänner und verschleiern ihre Spuren durch digitale Kommunikationswege.
Symptom eines größeren Problems
Der Fall Slåen ist exemplarisch für die anhaltende Bedrohung durch Auftragsmorde in Skandinavien, insbesondere im Zusammenhang mit Bandenkonflikten. In Dänemark haben solche Fälle in den vergangenen Jahren zugenommen, wobei häufig ausländische Täter angeheuert werden, die keine direkten Verbindungen zu den lokalen Strukturen haben.
Die Folgen sind gravierend: Nicht nur droht den Opfern der Tod oder – wie in diesem Fall – dauerhafte Behinderung. Auch die Täter riskieren einen erheblichen Teil ihres Lebens hinter Gittern. Mit 13 Jahren Haft und anschließender Ausweisung wird Slåen einen beträchtlichen Teil seines Lebens in dänischer Haft verbringen, bevor er nach Norwegen abgeschoben wird.
Urteil und Konsequenzen
Das Kopenhagener Stadtgericht verhängte nicht nur eine langjährige Freiheitsstrafe, sondern ordnete auch die Ausweisung Slåens aus Dänemark nach Verbüßung der Strafe an. Diese Maßnahme ist bei schweren Gewaltverbrechen durch ausländische Staatsangehörige in Dänemark üblich.
Der Fall unterstreicht die Entschlossenheit der dänischen Justiz, gegen organisierte Kriminalität und insbesondere gegen Auftragsmorde im Zusammenhang mit Bandenkriegen hart durchzugreifen. Die 13-jährige Haftstrafe sendet ein deutliches Signal an potenzielle Nachahmer.