Meisterwerke im Wert einer halben Milliarde
Die Beute war spektakulär: Unter den 13 gestohlenen Werken befand sich Johannes Vermeers 'Das Konzert' – mit einem geschätzten Wert von etwa 250 Millionen Dollar gilt es als eines der wertvollsten verschwundenen Kunstwerke weltweit.
Dazu kamen drei Gemälde von Rembrandt, darunter sein einziges bekanntes Seestück 'Sturm auf dem See Genezareth'. Auch ein Werk von Édouard Manet und fünf Zeichnungen von Edgar Degas verschwanden in jener Nacht aus dem Museum.
Die Täter gingen dabei erstaunlich selektiv vor – manche Experten vermuten, dass sie gezielt bestimmte Werke ausgewählt hatten, während sie andere, ebenfalls wertvolle Stücke ignorierten.
Fatale Sicherheitslücken
Wie konnte es zu diesem beispiellosen Diebstahl kommen? Die Sicherheitsvorkehrungen des Museums waren zum Zeitpunkt des Überfalls notorisch mangelhaft. Es reichte aus, dass zwei Personen sich als Polizisten ausgaben, um Zugang zu einer der bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt zu erhalten.
Die Überwachungskameras zeichneten zwar auf, doch die Täter entfernten die Aufzeichnungen. Die Nachtwächter waren nicht bewaffnet und hatten keine Möglichkeit, schnell Alarm zu schlagen. Nach dem Raub wurde deutlich, dass das Museum für genau diese Art von Überfall äußerst verwundbar gewesen war.
34 Jahre ohne Durchbruch
Seit jenem Märztag 1990 sind nun 34 Jahre vergangen – doch der Fall ist bis heute ungelöst. Weder die Täter noch auch nur eines der 13 gestohlenen Kunstwerke wurden jemals gefunden. Das FBI stuft den Fall weiterhin als eine der größten ungelöste Kriminalfälle ein.
Über die Jahre gab es zahlreiche Theorien: Verbindungen zur organisierten Kriminalität in Boston, mögliche Auftraggeber aus dem internationalen Kunsthandel, sogar Hinweise auf IRA-Verbindungen wurden untersucht. Doch keine Spur führte zum Erfolg.
Das Museum hat eine Belohnung von 10 Millionen Dollar für Informationen ausgesetzt, die zur Wiederbeschaffung der Werke führen – die höchste jemals für gestohlene Kunst gebotene Summe. Bislang vergeblich.
Ein Mythos der Kunstkriminalität
Der ungelöste Fall hat mittlerweile legendären Status erreicht. Kunstkriminologen, Ermittler und True-Crime-Autoren beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit dem Raubzug. Dokumentationen, Podcasts und Bücher versuchen, Licht ins Dunkel zu bringen.
Für das Isabella Stewart Gardner Museum bedeutet das anhaltende Mysterium, dass die leeren Rahmen bis heute an den Wänden hängen – genau dort, wo einst die Meisterwerke prangten. Eine stumme Erinnerung an jene Nacht im März 1990, als zwei Männer in Polizeiuniform die Kunstwelt um ein halbes Milliardenvermögen erleichterten.
Die Hoffnung, die Werke eines Tages wiederzusehen, haben weder das Museum noch die Ermittler aufgegeben. Doch mit jedem Jahr, das vergeht, schwindet die Wahrscheinlichkeit, dass dieses spektakuläre Verbrechen jemals aufgeklärt wird.