Das kriminelle Imperium
Die DeCavalcante-Familie war in praktisch alle klassischen Bereiche der organisierten Kriminalität involviert. Die Liste ihrer illegalen Aktivitäten umfasste:
- Mord und Auftragskillungen
- Schutzgelderpressung und Erpressung
- Gewerkschaftskorruption und Kontrolle von Arbeitnehmern
- Bestechung von Beamten und Politikern
- Kreditwucher (illegale Geldverleihgeschäfte)
- Drogenhandel im großen Stil
Die Familie kontrollierte verschiedene legale und illegale Geschäfte in New Jersey und hatte enge Verbindungen zu den mächtigen New Yorker Mafiafamilien.
FBI schlägt zu – Dezember 1999
Die Ermittlungen des FBI intensivierten sich 1998 dramatisch, nachdem es einen Raubüberfall am World Trade Center und den Mord an einer mit der DeCavalcante-Familie verbundenen Person in Brooklyn gegeben hatte. Die Bundespolizei setzte alle verfügbaren Ressourcen ein, um die Organisation zu zerschlagen.
Am 2. Dezember 1999 war es soweit: Das FBI führte koordinierte Razzien durch und verhaftete Vincent Palermo, der zu diesem Zeitpunkt als Acting Boss beziehungsweise Underboss die Familie führte. Insgesamt wurden rund 30 Mitglieder und Mitarbeiter der Organisation festgenommen. Die Anklagepunkte waren schwerwiegend: Verschwörung zum Mord, Drogenhandel und organisierte Kriminalität.
In derselben Zeit nahm FBI-Agent Séamus McElearney den gefürchteten Soldaten Anthony Capo fest, der für mehrere Gewalttaten verantwortlich gemacht wurde.
Die Kronzeugen aus dem inneren Zirkel
Was folgte, war für die DeCavalcante-Familie verheerend: Hochrangige Mitglieder entschieden sich zur Kooperation mit den Behörden.
Vincent Palermo wurde zum Schlüsselzeugen der Anklage. Der ehemalige Acting Boss packte aus und gestand die Morde an Fred Weiss und Louis LaRasso. Darüber hinaus enthüllte er detaillierte Pläne der Familie, weitere Personen zu ermorden, darunter John D'Amato (ein früherer Underboss), Joseph Masella, Charles Majuri, Frank D'Amato und Tom Salvata.
Auch Anthony Capo und Anthony Rotondo wurden zu Regierungszeugen. Ihre Aussagen lieferten den Ermittlern entscheidende Einblicke in die Strukturen und Methoden der Organisation. Die Zusammenarbeit dieser hochrangigen Insider bedeutete faktisch das Ende der DeCavalcante-Familie in ihrer bisherigen Form.
Die Organisation überlebt – weitere Schläge 2015
Doch auch nach den massiven Verhaftungen 1999 gab die Familie nicht auf. Das FBI beobachtete, wie sich Reste der Organisation neu formierten. Im März 2015 schlug die Bundespolizei erneut zu und verhaftete zehn Mitglieder und Mitarbeiter, darunter Charles Stango und Frank Nigro. Diese Operation bewies, dass die DeCavalcante-Familie trotz aller Rückschläge weiterhin aktiv war – wenn auch deutlich geschwächt.
Das Erbe der echten Sopranos
Die Geschichte der DeCavalcante-Familie zeigt exemplarisch, wie das FBI über Jahrzehnte systematisch gegen die organisierte Kriminalität vorging. Die Strategie aus langfristiger Überwachung, dem Einsatz von Kronzeugen aus dem inneren Zirkel und koordinierten Großrazzien erwies sich als äußerst effektiv.
Ironischerweise erlangte die Familie erst durch ihre kulturelle Nachwirkung weltweite Bekanntheit: Als reale Inspiration für 'The Sopranos' wurde die DeCavalcante-Organisation zum Inbegriff der italo-amerikanischen Mafia – allerdings hauptsächlich als abschreckendes Beispiel dafür, wie selbst die mächtigsten Verbrecherorganisationen durch konsequente Ermittlungsarbeit zerschlagen werden können.
**Anmerkung der Redaktion:** Zu den konkreten Strafmaßen gegen Vincent Palermo und andere zentrale Figuren nach ihrer Kooperation mit den Behörden liegen uns keine vollständigen Informationen vor. Kronzeugen erhalten in den USA üblicherweise deutlich reduzierte Strafen im Austausch für ihre Aussagen.