Drei Gefängniswärter an den Toren erlitten schwere Verletzungen: Ein Wärter wurde niedergestochen, ein zweiter wurde in den Kopf geschossen, und ein dritter wurde so brutal attackiert, dass ihm ein Auge ausgeschlagen wurde. Die Gewalt zeigt die Entschlossenheit der Flüchtenden, ihre Freiheit um jeden Preis zu erlangen.
Massive Fahndung mit 27.000 bewaffneten Kräften
Unmittelbar nach der Flucht setzte eine beispiellose Fahndungsaktion ein. Insgesamt wurden 27.000 bewaffnete Personen mobilisiert, darunter 9.500 britische Soldaten. Die Sicherheitskräfte durchkämmten systematisch Nordirland und die Grenzregion zur Republik Irland.
Innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Ausbruch konnten 19 der 38 Flüchtigen wieder gefasst werden. Einige der Entkommenen kehrten überraschenderweise sogar freiwillig in ihre ursprünglichen Zellen im H-Block 7 zurück – die Gründe dafür bleiben spekulativ.
Die anderen Flüchtigen schlugen verschiedene Wege ein: Einige stahlen Autos, andere flohen zu Fuß. Etwa die Hälfte der Gefangenen schaffte es über die Grenze in die Republik Irland, wo sie in Untergrund untertauchten. Trotz des massiven Einsatzes gelang es den Behörden nicht, alle Geflohenen wieder einzufangen.
Politischer Kontext: Hungerstrejk und Spannungen
Der Maze-Ausbruch muss im Kontext der hochexplosiven politischen Lage in Nordirland Anfang der 1980er Jahre verstanden werden. Nur zwei Jahre zuvor, 1981, hatte ein Hungerstreik im selben Gefängnis zu zehn Todesfällen unter republikanischen Gefangenen geführt, darunter der IRA-Anführer Bobby Sands.
Die Hungerstreikenden hatten den Status als politische Gefangene gefordert, den ihnen die britische Regierung unter Margaret Thatcher verweigerte. Die Todesfälle hatten die Spannungen zwischen den republikanischen Gefangenen und den britischen Behörden dramatisch verschärft.
In diesem aufgeheizten Klima kam der spektakuläre Ausbruch von 1983 keineswegs überraschend. Er wurde von vielen als direkte Reaktion auf die als demütigend empfundene Behandlung der politischen Gefangenen gesehen.
Wendepunkt in der Debatte um Gefängnisbedingungen
Der Maze-Ausbruch entwickelte sich zu einem Wendepunkt in der öffentlichen Diskussion über Haftbedingungen und Sicherheitsmaßnahmen in Hochsicherheitsgefängnissen. Die britischen Behörden mussten sich fragen lassen, wie eine solch groß angelegte Flucht aus dem angeblich sichersten Gefängnis Europas überhaupt möglich sein konnte.
Die Ereignisse führten zu einer umfassenden Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen und zu strukturellen Veränderungen im britischen Gefängniswesen. Gleichzeitig wurde der Ausbruch für die IRA zu einem bedeutenden Propaganda-Erfolg, der ihre Schlagkraft und Organisationsfähigkeit unter Beweis stellte.
Der Maze-Ausbruch von 1983 gilt bis heute als eine der bemerkenswertesten Gefängnisfluchten der modernen europäischen Kriminalgeschichte und bleibt ein Symbol für die gewaltsamen Konflikte der nordirischen Troubles-Ära.