Wer war die Blekingegade-Bande?
Jahrzehntelang kannte sie niemand. Eine Handvoll Dänen — die meisten mit Wurzeln in der äußersten Linken der 1960er und 1970er Jahre — führte ein Doppelleben. Tagsüber waren sie Studenten, Lehrer und ganz normale Bürger. Nachts planten und verübten sie Banküberfälle, Postamt-Überfälle und Betrügereien, um Geld an die PFLP (Popular Front for the Liberation of Palestine) zu schicken.
Am 22. November 1988 schoss eines der Bandenmitglieder bei einem Raubüberfall in der Købmagergade in Kopenhagen auf die Polizeibeamten Jesper Egtved Hansen und Flemming Baltzersen. Egtved Hansen überlebte. Baltzersen starb.
Das größte Versagen des PET — und seine Neuausrichtung
Als der PET die Bande 1989 schließlich aufflog, offenbarte das einen katastrophalen Geheimdienstfehler: Die Gruppe hatte jahrelang unterhalb jedes Radars operiert. Die Ermittlungsergebnisse erzwangen eine vollständige Umstrukturierung des PET und ein neues Verständnis von Inlandsterrorismus in Dänemark.
Der Prozess — einer der längsten in der dänischen Rechtsgeschichte — endete mit Verurteilungen unter anderem wegen Mordes, Raubes und Terrorismusfinanzierung. Der Fall machte deutlich, dass Linksterrorismus keineswegs nur ein Phänomen des westdeutschen Jahrzehnts der 1970er Jahre war.
Was hat sich verändert?
Die Blekingegade-Bande veränderte das dänische Geheimdienstrecht und die operativen Methoden des PET grundlegend. Sie stellte das Selbstbild der Linken in Frage und löste eine Debatte über ideologische Motivationen für Terrorismus aus, die bis heute aktuell ist. Und sie ist einzigartig in der Weltgeschichte: eine linksextremistische Terrorgruppe in Skandinavien, die über ein Jahrzehnt lang erfolgreich im Verborgenen agierte.