Der spektakuläre Ausbruch aus Europas sicherstem Gefängnis
Im September 1983 gelang 38 IRA-Gefangenen ein Ausbruch aus dem Hochsicherheitsgefängnis Maze bei Belfast, der als der größte Gefängnisausbruch in der britischen Geschichte in die Annalen einging. Die Flucht hinterließ drei schwer verletzte Gefängniswärter und löste eine der größten Fahndungsaktionen in Nordirland aus.
Das Maze Prison lag etwa 16 Kilometer außerhalb von Belfast auf dem Gelände einer ehemaligen RAF-Basis. Die Anlage bestand aus acht H-förmigen Zellenblöcken und galt als das sicherste Hochsicherheitsgefängnis Europas. Ein Ausbruch schien nahezu unmöglich – doch die IRA-Gefangenen bewiesen das Gegenteil.
Monatelange Planung und brutale Gewalt
Die Flucht war das Ergebnis monatelanger Vorbereitung. Die Häftlinge schmuggelten Waffen ins Gefängnis und planten jeden Schritt minutiös. Bei der Ausführung des Plans kam es zu brutaler Gewalt gegen das Wachtpersonal.
Zeitlinie
Tod von Bobby Sands
Der IRA-Anführer Bobby Sands stirbt nach 66 Tagen Hungerstreik im Maze-Gefängnis. Insgesamt sterben zehn republikanische Gefangene bei den Hungerstreiks von 1981.
Der Maze-Ausbruch
38 IRA-Gefangene brechen aus dem Hochsicherheitsgefängnis Maze aus. Drei Wärter werden schwer verletzt, einer niedergestochen, einer in den Kopf geschossen, einem wird ein Auge ausgeschlagen.
Erste Verhaftungen
Innerhalb der ersten 24 Stunden werden 19 der 38 Flüchtigen wieder gefasst. Einige kehren sogar freiwillig in ihre Zellen zurück.
Massive Fahndungsaktion
27.000 bewaffnete Kräfte, darunter 9.500 britische Soldaten, werden zur Fahndung nach den Flüchtigen mobilisiert. Etwa die Hälfte der Gefangenen flieht nach Irland.
Drei Gefängniswärter an den Toren erlitten schwere Verletzungen: Ein Wärter wurde niedergestochen, ein zweiter wurde in den Kopf geschossen, und ein dritter wurde so brutal attackiert, dass ihm ein Auge ausgeschlagen wurde. Die Gewalt zeigt die Entschlossenheit der Flüchtenden, ihre Freiheit um jeden Preis zu erlangen.
Massive Fahndung mit 27.000 bewaffneten Kräften
Unmittelbar nach der Flucht setzte eine beispiellose Fahndungsaktion ein. Insgesamt wurden 27.000 bewaffnete Personen mobilisiert, darunter 9.500 britische Soldaten. Die Sicherheitskräfte durchkämmten systematisch Nordirland und die Grenzregion zur Republik Irland.
Innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Ausbruch konnten 19 der 38 Flüchtigen wieder gefasst werden. Einige der Entkommenen kehrten überraschenderweise sogar freiwillig in ihre ursprünglichen Zellen im H-Block 7 zurück – die Gründe dafür bleiben spekulativ.
Die anderen Flüchtigen schlugen verschiedene Wege ein: Einige stahlen Autos, andere flohen zu Fuß. Etwa die Hälfte der Gefangenen schaffte es über die Grenze in die Republik Irland, wo sie in Untergrund untertauchten. Trotz des massiven Einsatzes gelang es den Behörden nicht, alle Geflohenen wieder einzufangen.
Politischer Kontext: Hungerstrejk und Spannungen
Der Maze-Ausbruch muss im Kontext der hochexplosiven politischen Lage in Nordirland Anfang der 1980er Jahre verstanden werden. Nur zwei Jahre zuvor, 1981, hatte ein Hungerstreik im selben Gefängnis zu zehn Todesfällen unter republikanischen Gefangenen geführt, darunter der IRA-Anführer Bobby Sands.
Die Hungerstreikenden hatten den Status als politische Gefangene gefordert, den ihnen die britische Regierung unter Margaret Thatcher verweigerte. Die Todesfälle hatten die Spannungen zwischen den republikanischen Gefangenen und den britischen Behörden dramatisch verschärft.
In diesem aufgeheizten Klima kam der spektakuläre Ausbruch von 1983 keineswegs überraschend. Er wurde von vielen als direkte Reaktion auf die als demütigend empfundene Behandlung der politischen Gefangenen gesehen.
Wendepunkt in der Debatte um Gefängnisbedingungen
Der Maze-Ausbruch entwickelte sich zu einem Wendepunkt in der öffentlichen Diskussion über Haftbedingungen und Sicherheitsmaßnahmen in Hochsicherheitsgefängnissen. Die britischen Behörden mussten sich fragen lassen, wie eine solch groß angelegte Flucht aus dem angeblich sichersten Gefängnis Europas überhaupt möglich sein konnte.
Die Ereignisse führten zu einer umfassenden Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen und zu strukturellen Veränderungen im britischen Gefängniswesen. Gleichzeitig wurde der Ausbruch für die IRA zu einem bedeutenden Propaganda-Erfolg, der ihre Schlagkraft und Organisationsfähigkeit unter Beweis stellte.
