Tunnelflucht von 109 Unionssoldaten aus Libby Prison 1864
Oberst Thomas E. Rose leitete einen spektakulären Ausbruch aus dem konföderierten Gefängnis

Oberst Thomas E. Rose leitete einen spektakulären Ausbruch aus dem konföderierten Gefängnis

Am 9. Februar 1864 gelang im konföderierten Gefängnis Libby Prison in Richmond, Virginia einer der spektakulärsten Gefängnisausbrüche des amerikanischen Bürgerkriegs. Oberst Thomas E. Rose von der 77th Pennsylvania Infantry organisierte zusammen mit Major A.G. Hamilton von der 12th Kentucky den waghalsigen Tunnelbau, durch den 109 Unionsofficiere die Flucht gelang.
Rose geriet am 20. September 1863 während der Schlacht von Chickamauga in Kriegsgefangenschaft. Am 1. Oktober 1863 erreichte er das Libby Prison, das als eines der berüchtigtsten konföderierten Gefängnisse galt. Die Bedingungen waren unmenschlich – Hunger, Kälte und Überbelegung prägten den Alltag der Unionsgefangenen. Rose erkannte schnell, dass seine einzige Chance das Überleben eine Flucht war.
Rose und Hamilton begannen ihre Fluchtvorbereitungen im "Rat Hell" – so nannten die Gefangenen den verseuchten Keller des Gefängnisses. Ohne geeignetes Werkzeug gruben sie einen etwa 45 Meter langen Tunnel unter dem Gefängnis hindurch. Die Passage war so eng, dass ein Mann sich kaum hindurchwinden konnte.
Gefangennahme bei Chickamauga
Oberst Thomas E. Rose wird während der Schlacht von Chickamauga von konföderierten Truppen gefangen genommen.
Ankunft in Libby Prison
Rose erreicht das berüchtigte konföderierte Kriegsgefangenenlager Libby Prison in Richmond, Virginia.
Die große Flucht
109 Unionsofficiere entkommen durch den von Rose und Hamilton gegrabenen Tunnel aus Libby Prison. Die Wachen bemerken die Flucht erst nach fast 12 Stunden.
Gefangenenaustausch
Oberst Rose wird nach seiner Wiedergefangennahme gegen einen konföderierten Oberst ausgetauscht und kehrt zur Union zurück.
Die größte Herausforderung bestand darin, das Projekt vor den konföderierten Wachen geheim zu halten. Dass Hunderte von Gefangenen über Wochen hinweg schwiegen, zeigt die verzweifelte Hoffnung, die unter den inhaftierten Unionsofficieren herrschte. Die ausgegrabene Erde mussten sie verstecken, das Graben erfolgte nur nachts, und ständig mussten Wachen aufgestellt werden.
In der Nacht vom 9. Februar 1864 war es endlich soweit. Einer nach dem anderen zwängten sich 109 Unionsofficiere durch den engen Tunnel in die Freiheit. Die konföderierten Wachen bemerkten die Flucht erst nach fast zwölf Stunden – ein bemerkenswertes Versagen der Gefängnissicherheit.
Doch die Flucht war erst der Anfang. Die entkommenen Soldaten mussten nun versuchen, durch feindliches Territorium zu den Unionslinien zu gelangen. Von den 109 Flüchtlingen schafften es nur 59, die Sicherheit der Unionstruppen zu erreichen. Die anderen wurden wieder gefangen genommen oder von konföderierten Einheiten aufgegriffen.
Oberst Rose selbst wurde kurz nach seiner Flucht wieder gefasst. Doch ihm drohte keine härtere Bestrafung – sein Schicksal wendete sich durch einen Gefangenenaustausch. Am 30. April 1864 wurde Rose gegen einen konföderierten Oberst ausgetauscht.
Als freier Mann kehrte Rose zu seiner Einheit, der 77th Pennsylvania Infantry, zurück und kämpfte bis zum Ende des Bürgerkriegs weiter für die Union. Seine Rolle als Initiator und Anführer der waghalsigen Tunnel-Operation machte ihn zu einer Legende unter den Überlebenden von Libby Prison.
Die Flucht aus Libby Prison gilt bis heute als einer der erfolgreichsten und kühnsten Gefängnisausbrüche des amerikanischen Bürgerkriegs. Die Operation erforderte nicht nur Mut und Ausdauer, sondern auch außergewöhnliche Organisationsfähigkeit und eiserne Disziplin unter den Gefangenen.
Die Geschichte von Oberst Rose und seinen Mitgefangenen zeigt eindrücklich, zu welchen Leistungen Menschen unter extremen Bedingungen fähig sind. Der selbst gegrabene Tunnel wurde zum Symbol des Überlebenswillens und des unbändigen Freiheitsdrangs der Unionssoldaten in konföderierten Kriegsgefangenenlagern.
Die Flucht hatte auch psychologische Auswirkungen: Sie hob die Moral der Unionstruppen und zeigte gleichzeitig die Schwächen der konföderierten Gefängnisverwaltung auf. Libby Prison verschärfte danach die Sicherheitsmaßnahmen drastisch – zu spät für die 59 Männer, die dank Roses Führung und Mut ihre Freiheit zurückgewonnen hatten.