Attentat auf Reagan: Obsession, die US-Justiz veränderte
Wie John Hinckley Jr. aus Liebe zu Jodie Foster den Präsidenten erschoss

Wie John Hinckley Jr. aus Liebe zu Jodie Foster den Präsidenten erschoss

Am 30. März 1981 wurde US-Präsident Ronald Reagan Opfer eines Attentats, das das amerikanische Rechtssystem für immer verändern sollte.
Der 25-jährige John Warnock Hinckley Jr. positionierte sich vor dem Washington Hilton Hotel und feuerte innerhalb von nur 1,7 Sekunden sechs Schüsse auf den Präsidenten ab. Reagans Leibwächter, der Präsident selbst, Polizist Thomas Delahanty, Secret-Service-Agent Timothy McCarthy und Pressesprecher James S. Brady wurden von den Kugeln getroffen.
Reagan überlebte – die Kugel verfehlte sein Herz nur knapp und wäre beinahe tödlich gewesen. Der Präsident konnte das Krankenhaus weniger als zwei Wochen später wieder verlassen.
Film Taxi Driver erscheint
John Hinckley Jr. sieht Martin Scorseses Film mit Jodie Foster und entwickelt eine Obsession für die Schauspielerin.
Attentat auf Reagan
Hinckley feuert vor dem Washington Hilton Hotel sechs Schüsse auf Präsident Reagan ab. Reagan, James Brady und zwei weitere werden verletzt.
Brief an Jodie Foster gefunden
In Hinckleys Hotelzimmer wird ein Brief an Foster entdeckt, in dem er das Attentat als 'historische Heldentat' beschreibt.
Urteil: Nicht schuldig
Hinckley wird aufgrund von Unzurechnungsfähigkeit für nicht schuldig befunden und in psychiatrische Verwahrung eingewiesen.
Gesetzesreform beginnt
US-Kongress verabschiedet den Insanity Defense Reform Act, der die Regeln zur Unzurechnungsfähigkeit drastisch verschärft.
James Brady stirbt
Pressesprecher James Brady stirbt 33 Jahre nach dem Attentat an den Folgen seiner Verletzungen.
Teilweise Freilassung
Nach 34 Jahren wird Hinckley unter Auflagen aus der psychiatrischen Klinik entlassen.
Vollständige Freilassung
Alle Auflagen werden aufgehoben. Hinckley lebt als freier Mann.
Berühmte Attentate
Andere hatten weniger Glück. James S. Brady wurde durch seine Verletzungen gelähmt und starb 33 Jahre später an den Folgen des Anschlags.
Hinckleys Motiv war weder politisch noch ideologisch. Es war rein persönlich – oder besser gesagt: pure Fantasie.
Der junge Mann hatte sich in die Schauspielerin Jodie Foster verliebt, nachdem er sie in Martin Scorseses Kultfilm "Taxi Driver" von 1976 gesehen hatte. In dem Film wird Foster als junge Prostituierte dargestellt, und Hinckley wurde vollkommen von ihr besessen.
Obsessive Stalker
Vor dem Attentat schrieb Hinckley einen Brief an Foster, in dem er seine Pläne für eine "historische Heldentat" beschrieb – sein eigenes Attentat auf den Präsidenten. Der Brief wurde in seinem Hotelzimmer gefunden.
Für Hinckley war das Attentat nicht nur eine kriminelle Handlung – es war eine perverse Form der Liebe, ein verzweifelter Versuch, die Aufmerksamkeit seiner Film-Obsession zu erlangen.
Vor Gericht wurde Hinckley für nicht schuldig aufgrund von Unzurechnungsfähigkeit befunden. Das Rechtssystem stellte fest, dass er an psychischen Erkrankungen litt, die ihn unfähig machten, die Konsequenzen seiner Handlungen zu verstehen.
Statt ins Gefängnis zu kommen, wurde Hinckley in psychiatrische Verwahrung eingewiesen – mehr als drei Jahrzehnte in Institutionen unter kontrollierten Bedingungen.
Das Urteil löste massive Proteste in der amerikanischen Öffentlichkeit aus. Die Menschen waren empört. Ein Präsident war angeschossen worden, und der Täter kam nicht ins normale Gefängnis, sondern wurde in psychiatrischen Einrichtungen behandelt.
Unzurechnungsfähigkeit vor Gericht
Die Welle der Empörung über das Urteil sollte weitreichende juristische Konsequenzen haben.
Auf bundesstaatlicher und nationaler Ebene wurde die sogenannte "Insanity Defense" – die rechtliche Möglichkeit, aufgrund von Unzurechnungsfähigkeit für nicht schuldig befunden zu werden – drastisch eingeschränkt. Das US-Justizsystem verschärfte seine Regelungen in diesem Bereich nach dem Reagan-Attentat erheblich.
Viele Bundesstaaten führten neue Standards ein: Die Beweislast wurde umgekehrt, sodass nun die Verteidigung die Unzurechnungsfähigkeit nachweisen musste, nicht die Anklage die Zurechnungsfähigkeit. Einige Staaten schafften die Unzurechnungsfähigkeit als Verteidigungsstrategie ganz ab.