Auch Werke von Manet und Zeichnungen von Degas wurden geraubt. Neben den Gemälden verschwanden auch eine chinesische Vase und ein großer Bronze-Adler.
Eine bemerkenswerte Auswahl
Ein besonderes Detail des Diebstahls ist das, was nicht gestohlen wurde. Die dritte Etage des Museums – wo das Werk hängt, das Museumsgründerin Isabella Gardner selbst als das wichtigste betrachtete, "Der Raub der Europa" – wurde von den Tätern nicht betreten. Die Auswahl der Kunstwerke war also nicht nur Ausdruck der Gier nach Wert, sondern auch fachkundiger künstlerischer Kenntnis.
Heute hängen noch immer leere Rahmen an den Museumswänden als stumme Zeugen. Gemäß Isabellas Testament müssen sie dort bleiben – als Stellvertreter für das, was gestohlen wurde.
Ein ungelöstes Rätsel mit kolossaler Belohnung
Der Fall führte zu einer der größten Kunstfahndung aller Zeiten. Eine Belohnung von bis zu 100 Millionen Dollar wurde für die Wiederbeschaffung der Kunstwerke ausgelobt. Trotz dieses enormen Betrags ist keines der 13 Werke jemals wieder aufgetaucht.
Im Jahr 2014 – mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Diebstahl – wurde ein Mann namens Robert Gentile festgenommen, nachdem er versucht hatte, einem verdeckten FBI-Ermittler ein Rembrandt-Gemälde zu verkaufen. Gentile behauptete, er habe geblufft, und bei der Durchsuchung seines Anwesens wurden keine Kunstwerke gefunden.
Der Fall blieb seitdem ungelöst. Niemand wurde für den Diebstahl verurteilt, und die Kunstwerke bleiben spurlos verschwunden. Die größten Schätze des Isabella Stewart Gardner Museums sind noch immer weg – und das Geheimnis, wer sie gestohlen hat und wo sie sich heute befinden, wurde nie gelüftet.
Verbindungen zur organisierten Kriminalität
Ermittler vermuten seit langem eine Verbindung zur Organisierten Kriminalität in Boston. Die Professionalität des Coups und die Tatsache, dass die Täter genau wussten, welche Werke sie stehlen wollten, deutet auf eine sorgfältige Planung hin. Verschiedene Mitglieder der Bostoner Unterwelt wurden im Laufe der Jahre verdächtigt, doch keine Spur führte zur Wiederbeschaffung der Kunstwerke.
Das FBI geht davon aus, dass die gestohlenen Gemälde mehrfach den Besitzer gewechselt haben und möglicherweise auf dem internationalen Schwarzmarkt für Kunst gehandelt wurden. Doch selbst dort blieben sie unsichtbar – ein Zeichen dafür, wie schwer es ist, derart berühmte Werke zu veräußern.
Das Vermächtnis eines ungeklärten Verbrechens
Das Isabella Stewart Gardner Museum hält die Hoffnung aufrecht. Die Belohnung besteht weiterhin, wenn auch auf 10 Millionen Dollar reduziert. Die leeren Rahmen an den Wänden erinnern Besucher täglich an den dramatischen Verlust und die ungelöste Frage: Wo sind die Meisterwerke?
Für Kunsthistoriker und Ermittler bleibt der Fall eine der größten Herausforderungen. Die gestohlenen Werke repräsentieren nicht nur einen immensen finanziellen Wert, sondern sind auch unwiederbringliche Teile des kulturellen Erbes der Menschheit. Ihre Rückkehr würde nicht nur das Museum vervollständigen, sondern auch eines der berüchtigsten Verbrechen der Geschichte lösen.