RAF – Rote Armee Fraktion: Deutschlands blutigste Terrorjahre
Wie linksextreme Terroristen fast drei Jahrzehnte lang die Bundesrepublik erschütterten

Wie linksextreme Terroristen fast drei Jahrzehnte lang die Bundesrepublik erschütterten

Die Rote Armee Fraktion (RAF) entstand 1970 in der Bundesrepublik Deutschland als radikale Reaktion auf das, was ihre Mitglieder als imperialistische US-Außenpolitik und kapitalistische Unterdrückung empfanden. Die Organisation entsprang der Studentenbewegung und den linksextremen Protesten gegen den Vietnamkrieg sowie gegen vermeintlich faschistische Züge des westdeutschen Staates.
Die Gründer – Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler und Astrid Proll – waren junge Intellektuelle, die den bewaffneten Kampf als einzigen Weg zur Revolution ansahen. Sie argumentierten, die westdeutsche Nachkriegsdemokratie habe sich nicht ausreichend vom Erbe des Nationalsozialismus distanziert und setze die Unterdrückung durch Polizei und Militär fort.
Der Name "Rote Armee Fraktion" sollte an eine Fraktion der sowjetischen Roten Armee erinnern und den revolutionären Anspruch der Gruppe unterstreichen. Die RAF verstand sich als Teil einer weltweiten antiimperialistischen Bewegung.
Gründung der RAF
Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Horst Mahler gründen die Rote Armee Fraktion in Frankfurt am Main als Reaktion auf den Vietnamkrieg und die westdeutsche Politik.
Entführung von Peter Lorenz
Die RAF entführt den Berliner CDU-Politiker Peter Lorenz. Nach Verhandlungen werden fünf inhaftierte RAF-Mitglieder freigelassen und nach Jemen ausgeflogen.
Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut"
RAF-Mitglieder kapern gemeinsam mit palästinensischen Terroristen ein deutsches Lufthansa-Flugzeug mit 86 Passagieren. Die Krise endet mit der GSG-9-Erstürmung in Mogadischu.
Todesfälle in Stammheim
Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Gudrun Ensslin werden tot im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim aufgefunden. Offiziell Suizid, aber bis heute umstritten.
Anschlagsversuch auf US-Luftwaffenbasis Ramstein
RAF-Mitglieder versuchen, einen Bombenanschlag auf die NATO-Basis Ramstein zu verüben. Der Anschlag misslingt, zeigt aber die fortdauernde Bedrohung durch die Organisation.
Offizielle Auflösung der RAF
Die RAF verkündet in einem Schreiben ihre Auflösung. Die Organisation übernimmt die Verantwortung für über 100 Anschläge und 34 Todesopfer, verweist aber auf die veränderte geopolitische Lage.
Die RAF operierte als dezentrale Guerillaorganisation mit kleinen Zellen, die autonom, aber koordiniert arbeiteten. Die Mitglieder wurden in Waffengebrauch, Sprengstoffhandhabung und Militärtaktik geschult, oft mit Unterstützung palästinensischer Organisationen und von Ostblockstaaten.
Ideologisch verband die RAF Marxismus-Leninismus mit Antiimperialismus. Die Terroristen sahen sich als Teil eines globalen Befreiungskampfes gegen den Imperialismus und solidarisierten sich mit Befreiungsbewegungen in Palästina, Vietnam und anderen Regionen. Ihre Manifeste kritisierten sowohl die Rolle des Kapitalismus als auch die der NATO in der Weltpolitik.
Die Organisation finanzierte sich hauptsächlich durch Banküberfälle und erhielt zeitweise logistische Unterstützung aus der DDR, wo einige RAF-Mitglieder nach dem Mauerfall unter falscher Identität lebten.
Die erste spektakuläre Aktion der RAF war die Entführung des Berliner CDU-Politikers Peter Lorenz im Februar 1975. Die Terroristen forderten die Freilassung inhaftierter RAF-Mitglieder. Der Staat gab nach: Fünf Gefangene wurden freigelassen und nach Jemen ausgeflogen.
Im Jahr 1977 – bekannt als "Deutscher Herbst" – eskalierte die Gewalt dramatisch. Am 5. September entführte ein RAF-Kommando den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. Die Terroristen forderten die Freilassung von elf inhaftierten RAF-Mitgliedern, darunter Andreas Baader.
Am 13. Oktober 1977 kaperten palästinensische Terroristen in Zusammenarbeit mit der RAF die Lufthansa-Maschine "Landshut" (Flug 181) mit 86 Passagieren und Besatzung an Bord. Sie forderten ebenfalls die Freilassung der RAF-Häftlinge. Die Krise endete, als die deutsche Spezialeinheit GSG 9 das Flugzeug am 18. Oktober in Mogadischu stürmte und alle Geiseln befreite.
Noch in der gleichen Nacht wurden Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Gudrun Ensslin tot in ihren Zellen im Hochsicherheitsgefängnis Stuttgart-Stammheim aufgefunden. Offiziell wurde Suizid festgestellt, doch RAF-Sympathisanten behaupteten bis heute, der Staat habe die Gefangenen ermordet. Tags darauf wurde Hanns Martin Schleyer von seinen Entführern erschossen.
Eine neue Generation von RAF-Mitgliedern setzte den Kampf in den 1980er Jahren fort. Am 31. August 1981 versuchte die RAF, bei der US-Luftwaffenbasis Ramstein einen Bombenanschlag zu verüben. Der Anschlag schlug fehl, erhöhte aber den Fahndungsdruck erheblich.