Die Tunnel-Systeme, die El Chapo errichten ließ, waren technische Meisterwerke: ausgestattet mit Beleuchtung, Belüftung und teilweise sogar Schienensystemen für den Transport. Manche erstreckten sich über mehrere Kilometer und verbanden Lagerhäuser auf beiden Seiten der US-mexikanischen Grenze.
Gewalt und Korruption als Machtinstrumente
Um seine Kontrolle zu sichern, setzte El Chapo auf professionelle Auftragskiller. Seine Vollstreckertruppe war unter dem Namen Los Antrax bekannt und verantwortlich für Hunderte Gewaltverbrechen – darunter Morde, Überfälle, Entführungen, Folter und Attentate.
Systematisch korrumpierte El Chapo die mexikanische Bundespolizei, Politiker, Polizeichefs und Generäle. Beweise zeigten sogar, dass er einem ehemaligen mexikanischen Präsidenten 100 Millionen Dollar Bestechungsgeld anbot. Dieses Netzwerk aus Korruption machte ihn jahrelang nahezu unangreifbar.
Verhaftung und spektakuläre Flucht
Nach jahrelanger Fahndung wurde El Chapo im Februar 2014 verhaftet und in ein Hochsicherheitsgefängnis gebracht. Doch seine Gefangenschaft sollte nur von kurzer Dauer sein. Am 11. Juli 2015 gelang ihm eine spektakuläre Flucht aus seiner Zelle durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel, der direkt von seiner Duschkabine aus gegraben worden war.
Der Tunnel war 10 Meter tief, mit Beleuchtung, Belüftung und einem schienengeführten Motorrad ausgestattet – ein Beleg für die immensen Ressourcen und die Reichweite seines Kartells. Die Flucht war eine internationale Blamage für die mexikanischen Behörden und zeigte die Macht und den Einfluss El Chapos.
Endgültige Verurteilung
Nach mehreren Jahren auf der Flucht wurde El Chapo im Januar 2016 erneut festgenommen. Diesmal wurde er an die USA ausgeliefert, wo ihm der Prozess gemacht wurde. Im Februar 2019 wurde er in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen, darunter umfangreicher Drogenhandel, Geldwäsche und Hunderte Gewaltverbrechen. Das Urteil: lebenslange Haft ohne Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung.
Das Strafmaß war eindeutig: El Chapo sollte nie wieder in Freiheit kommen. Er verbüßt seine Strafe derzeit im ADX Florence, einem Hochsicherheitsgefängnis in Colorado, das als eines der sichersten Gefängnisse der Welt gilt.
Das Erbe der Korruption
Das Vermächtnis des Sinaloa-Kartells reicht weit über El Chapos eigene Verurteilung hinaus. Anfang 2023 wurde Genaro García Luna, Mexikos ehemaliger Minister für öffentliche Sicherheit (2006-2012), verurteilt, weil er Millionen Dollar Bestechungsgelder vom Kartell angenommen hatte. Sein Fall verdeutlicht das erschreckende Ausmaß der Korruption, die El Chapo im mexikanischen System etabliert hatte.
García Luna war während seiner Amtszeit offiziell damit beauftragt, gegen die Kartelle vorzugehen – stattdessen schützte er das Sinaloa-Kartell und lieferte vertrauliche Informationen. Seine Verurteilung in den USA war ein weiterer Beleg dafür, wie tief die Tentakel des organisierten Verbrechens in die höchsten Regierungsebenen Mexikos reichten.
Eine andauernde Bedrohung
El Chapos Karriere steht als Warnung vor der brutalen Macht der Drogenkartelle und den globalen Folgen der organisierten Drogenkriminalität. Obwohl er nun hinter Gittern sitzt, bleibt das Sinaloa-Kartell eine erhebliche Bedrohung für die regionale und globale Sicherheit.
Nach El Chapos Verhaftung übernahmen seine Söhne, bekannt als "Los Chapitos", sowie Ismael "El Mayo" Zambada die Führung des Kartells. Die Organisation setzt ihre kriminellen Aktivitäten fort und ist weiterhin einer der größten Lieferanten illegaler Drogen in die USA und nach Europa. Der Kampf gegen das organisierte Verbrechen geht weiter – auch ohne seinen berüchtigtsten Anführer.