Im November 1987 beging Richard Lee McNair einen Mord und bewaffneten Raubüberfall in Bismarck, North Dakota. Während des Überfalls erschoss er den Lkw-Fahrer Jerome T. "Jerry" Thies und verletzte einen weiteren Mann durch vier Schüsse schwer. McNair wurde im Juli 1993 nach einem Fluchtversuch in Nebraska festgenommen und nach North Dakota zurückgebracht, wo er 1988 zu zwei lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden war.
Doch McNairs kriminelle Karriere wurde nicht nur wegen seiner ursprünglichen Verbrechen berühmt, sondern vor allem wegen seiner außergewöhnlichen Fähigkeit zur Gefängnisflucht. Insgesamt gelang es ihm dreimal, aus dem Gefängnis auszubrechen — und jedes Mal nutzte er noch einfallsreichere Methoden.
Erster Ausbruch: Lippenbalsam gegen Handschellen
Beim ersten Fluchtversuch setzte McNair auf das Wesentliche: Lippenbalsam. Indem er die Handschellen mit Lippenbalsam einschmierte, konnte er aus ihnen herausgleiten und sich so die Freiheit verschaffen. Die Methode war simpel und effektiv — ein erstes Zeichen für die Kreativität, die seine späteren Ausbruchsversuche kennzeichnen sollte.
Zeitlinie
Mord und Raubüberfall
Richard Lee McNair erschießt den Lkw-Fahrer Jerome T. 'Jerry' Thies in Bismarck, North Dakota, und verletzt einen weiteren Mann schwer.
Verurteilung
McNair wird zu zwei lebenslangen Haftstrafen verurteilt.
Festnahme nach Fluchtversuch
McNair wird nach einem Fluchtversuch in Nebraska festgenommen und nach North Dakota zurückgebracht.
Dritter und spektakulärster Ausbruch
McNair entkommt versteckt in einer Palette mit Postbehältern, die mit einem Gabelstapler vom Gefängnisgelände transportiert wird.
Wiederfestnahme in Kanada
Nach mehreren Monaten auf der Flucht wird McNair in Kanada gefasst und zurück in die USA gebracht.
Zweiter Ausbruch: Durch das Lüftungssystem
Beim zweiten Mal wählte McNair einen klassischen Ansatz. Er kroch durch einen Lüftungsschacht des Gefängnisses und entkam so aus dem Gebäude. Diese Methode erforderte sowohl Ausdauer als auch genaue Kenntnisse über den Aufbau der Gefängnisanlage — und sie funktionierte, zumindest vorübergehend.
Dritter Ausbruch: Der kreative Paletten-Plan
Der dritte und spektakulärste Ausbruch fand im April 2006 statt und war das Ergebnis methodischer Planung. McNair hatte sich in einer speziell konstruierten "Flucht-Box" versteckt, die in einer Palette mit gebrauchten Postbehältern platziert war. Die Palette wurde dann in Plastikfolie eingeschweißt und mit einem Gabelstapler vom Gefängnisgelände transportiert — wie eine ganz normale Warensendung.
Als sich die Palette außerhalb des Gefängnisgeländes befand, schnitt sich McNair aus seinem improvisierten Container frei und machte sich auf den Weg in die Freiheit. Dieser Ausbruch zeigte nicht nur Einfallsreichtum, sondern auch ein tiefgreifendes Verständnis für die operativen Schwachstellen und Routinen des Gefängnisses.
Festnahme in Kanada
McNairs Freiheit währte jedoch nicht lange. Im Oktober 2007 wurde er in Kanada wieder gefasst, mehrere Monate nach seiner spektakulären Flucht. Heute sitzt er in einem Gefängnis in den USA und verbüßt seine zwei lebenslangen Haftstrafen für den ursprünglichen Mord und die nachfolgenden Fluchtversuche.
Die Geschichte von Richard Lee McNair zeigt eindrucksvoll, mit welcher Hartnäckigkeit und Kreativität manche Straftäter versuchen, dem Justizsystem zu entkommen — und wie wichtig es ist, Sicherheitslücken in Haftanstalten kontinuierlich zu überprüfen und zu schließen.
